UNSERE KURZKRITIKEN

Zurück im heißen Ofen

von Redaktion

Stereolab schraubten ihren Sound so clever aus den Ersatzteilen der Musikgeschichte zusammen, dass er schon wieder futuristisch brummte. Made in England zwar – aber da tuckerte der Schlagzeug-Motor der deutschen Siebziger-Heroen Neu!, das Fahrgestell der US-Gitarrenschrammler Velvet Underground vibrierte, die Pril-Blumen-Pop-Karosserie hätte sich der Italienische Glücksritter Signor Rossi nicht schöner ausdenken können, und am Steuer saß mit Sängerin Lætitia Sadier eine Pariser Chansonnière, die nüchtern und erotisch zugleich linke Gesellschaftstheorie ausbreitete. Nach 15 Jahren Funkstille sind sie nun zurück – und das mit einem heißen Ofen. „Instant Holograms on Metal Film“ klingt so sehr nach Stereolab (also nach allem, was „cool“ ist in der Popmusik, und zugleich wie nichts anderes), dass es schon lustig ist. „Le Coeur et la Force“ kreuzt Françoise Hardy mit Krautrock, „Electrified Teenybop“ düst auf Synthersizern wie Captain Future mit Schluckauf. „Aerial Troubles“ betrachtet den Kapitalismus zu himmlischen Gesangsharmonien, und „Melodie is a Wound“ beginnt als Pop und biegt dann klingelnd, klöppelnd und mit Kornett-Solo ab ins Taka-Tuka-Land. Eine große Band ist wieder da. Am 12. Juni spielt sie im Münchner Feierwerk.

Stereolab:

„Instant Holograms on Metal Film“ (Duophonic / Warp).


★★★★★ Hervorragend

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