In ihren neuen Songs schwingt auch ein bisschen das alte Hollywood mit: Miley Cyrus, hier bei der Met-Gala Anfang Mai in New York. © Agency People Image USA
Die Popmusik gehört aktuell vor allem den weiblichen Stars: Taylor Swift, Dua Lipa, Billie Eilish, Sabrina Carpenter, Lorde und Charli XCX kämpfen um den Erfolg bei den Fans und in der Musikindustrie. Ab heute mischt auch Miley Cyrus wieder mit – die US-Amerikanerin bringt mit „Something Beautiful“ ihr neuntes Studioalbum heraus: 13 Songs, verteilt auf einer Stunde Laufzeit.
Die Platte ist weder krawallig noch schrill. Stattdessen schwingt ein bisschen das alte Hollywood mit. Von seichtem Pop keine Spur – nachdenkliche Balladen und Herzschmerz dominieren, aber auf eine gute Disco-Art.
Die Themen sind Liebe, Anmut, Träume und Wiedergeburt. Die 32-Jährige scheint als Musikerin da angekommen zu sein, wo sie immer hin wollte. Wegen ihrer Rolle als Hannah Montana im Disney-Universum musste die Patentochter von Dolly Parton lange darum kämpfen, als Sängerin ernst genommen zu werden. Teils versuchte sie, mit exzentrischem Verhalten auf sich aufmerksam zu machen. Heute wirkt Cyrus so erwachsen und selbstbewusst wie nie zuvor. In einem Kurzfilm zum Album, der in ausgewählten Kinos weltweit ab Juni „für eine Nacht“ zu sehen sein soll, visualisiert sie ihre Lieder. Mode spielt dabei eine extrem wichtige Rolle. Fast ihr ganzes Film-Budget sei für die Outfits draufgegangen, berichtete die Sängerin bei US-Talkmaster Jimmy Kimmel.
In einem anderen Interview verriet Cyrus, wieso sie so eine rauchige Stimme hat. Sie habe einen Polypen auf dem Stimmband, sagte sie Zane Lowe bei Apple Music. „Es ist ein Teil meiner Anatomie. Er hat mir viel von dem Ton und der Textur gegeben, die mich ausmachen. Aber es ist extrem schwer, damit aufzutreten – als würde man mit Gewichten an den Fußgelenken einen Marathon laufen.“ Deshalb spiele sie nur wenige Konzerte.
Eine wichtige Referenz für die neue Platte sei das Pink-Floyd-Musikdrama „The Wall“ (1982) gewesen, erklärte Cyrus. Die Stimmung ihrer Musik beschrieb sie als „hypnotisierend und glamourös“. Alle Versionen ihrer selbst habe sie in „Something Beautiful“ („Etwas Schönes“) auf einen Punkt gebracht. Dabei habe sie mit dem Vorgänger „Endless Summer Vacation“ den Grundstein für das neue Werk gelegt. Mit dem Ohrwurm „Flowers“ landete Cyrus den bisher größten Hit ihrer Karriere. Der Song schaffte es nicht nur auf Platz eins der US-amerikanischen, sondern erstmals auch der deutschen Charts und ging in den Sozialen Netzwerken viral. Zudem gab es einen Grammy. Erst nach diesem „Urlaub“ sei sie in der Lage gewesen, „Something Beautiful“ zu entdecken.
Unsere Anspieltipps für das neue Werk: Das größte Potenzial hat definitiv „Easy Lover“. Mit diesem Lied untermalt Cyrus auch ihren Kurzfilm auf Instagram. Text und Klang passen bei der Nummer perfekt zusammen, die rauchige Stimme gibt dem Ganzen den letzten Schliff. Aber auch mit „Reborn“ kann man sehr gut einsteigen. „Something Beautiful“ lohnt sich nicht nur für Fans, sondern auch für Leute, die bisher nichts mit der Sängerin am Hut hatten. Das Album ist kein Comeback einer Rockröhre, es ist kein Zurück zu altbekannten Zeiten, es ist eine Weiterentwicklung auf hohem Niveau für Cyrus – und der perfekte Soundtrack für sonnige Nachmittage auf der Terrasse.
Aleksandra Bakmaz
Miley Cyrus:
„Something Beautiful“
(Columbia Records/Sony Music).