„Wir müssen aneinander stärken!“

von Redaktion

Die Beisheim-Stiftung hilft der Kultur bei der Einrichtung von „Dritten Orten“

Die Schauburg eröffnet bereits heute Nachmittag ihr „Labor“ am Karl-Preis-Platz in Ramersdorf. © Fabian Frinzel

Kultur verbindet! Das steht für Max Wagner, den Geschäftsführer der Beisheim-Stiftung, außer Frage. Das gemeinsame Erleben von Kunst, Musik und Theater bringt Menschen zusammen und regt zur Diskussion an. Weshalb es umso bedauerlicher ist, dass die Politik in Zeiten, in denen das Miteinander immer öfter zum Gegeneinander wird, gerade hier den Rotstift ansetzt.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, unterstützt die Stiftung ab sofort vier Münchner Kulturinstitutionen, die gemeinsam sogenannte Dritte Orte für die Stadtbevölkerung schaffen wollen: Begegnungsstätten jenseits der Arbeitsstelle und der eigenen vier Wände. Wie hoch die siebenstellige Fördersumme genau ist, verrät Wagner nicht. Doch reicht es neben Umbaumaßnahmen für die Schaffung mehrerer neuer Stellen für „Community-Builder“. Das sind Kontaktpersonen, die den Dialog mit den Menschen und bereits bestehenden Initiativen in den jeweiligen Vierteln suchen. Denn eines ist auch Wagner klar: „Es reicht nicht, nur die Tür aufzumachen.“

Wie die Liebe geht auch die Kultur ganz offensichtlich durch den Magen. So will etwa das Haus der Kunst neben dem einmal monatlich stattfindenden „Open Haus“ künftig mit verlängerten Öffnungszeiten seines Cafés und einer Eisdiele zum Verweilen einladen. Und die Staatsoper plant, zusätzlich zur sommerlichen Apollon Bar auf den Stufen des Nationaltheaters ebenfalls die Prunksäle tagsüber zu öffnen und mit kleinen Darbietungen zu bespielen – aufgrund der anstehenden Renovierungsarbeiten allerdings erst zum Jahresbeginn 2026.

Deutlich partizipativer ist der Vorstoß der Pinakothek der Moderne. Wie berichtet, entsteht hier mit dem von der Künstlerin Morag Myerscough gestalteten FLUX-Areal eine begehbare interaktive Open-Air-Installation. Inklusive Gastro und kleinen Bühnenflächen, die auch von den Menschen aus der Nachbarschaft erobert werden dürfen.

Während manche Projekte in der Vorbereitung stecken, startet die Schauburg ihre Offensive bereits heute, wenn ab 16 Uhr am Karl-Preis-Platz die Eröffnung des Schauburg-Labors gefeiert wird. Die zweite Spielstätte des Theaters soll mit ihrem Café – das fünf Tage pro Woche von 10.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet ist – Menschen zusammenbringen. Egal, ob man nun auf ein erschwingliches Mittagessen oder ein Heißgetränk vorbeischauen will, selbst an einem Schreib- oder Backworkshop teilnimmt oder einfach nur einen Platz sucht, um gemeinsam Hausaufgaben oder Musik zu machen. Schauburg-Chefin Andrea Gronemeyer betont die wichtige Aufgabe ihres Hauses über den Vorstellungsbetrieb hinaus. „Die Nachfrage von Seiten der Schulen ist bei uns schon jetzt enorm. Aber es geht hier nicht um Konkurrenz mit den anderen Institutionen. Wir müssen uns gegenseitig stärken! Es müssen nicht alle, die in die Schauburg kommen, später Theatergänger werden. Wenn sie hier etwa Literatur, Malerei oder Musik für sich entdecken, ist das genauso schön.“

Dafür müsse Kultur eben nicht nur gemeinsam erlebt und gestaltet werden, ist die Intendantin überzeugt, sondern auch von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Egal aus welchem Viertel oder welchem Land man stammt. Damit der Slogan „München ist bunt“ kein Lippenbekenntnis bleibt.
TOBIAS HELL

Artikel 4 von 11