Haarige Sache

von Redaktion

Schau über Frisuren in Kinderbüchern

Denken Sie einmal an Pippi Langstrumpf, Marge Simpson, den Struwwelpeter und Rapunzel. Was verbindet diese Charakterköpfe? Richtig, sie alle haben markante Frisuren. In der neuen Ausstellung der Internationalen Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg in München – „Was ist da los auf dem Kopf?“ – dreht sich alles ums Haar. Genauer gesagt: um das, was Haare in Kinderbüchern erzählen. Die Kuratorin Dr. Ines Galling hat sich durch 500 Werke gewühlt – das Ergebnis ist eine verspielte Collage aus Büchern, Bildern, Sprichwörtern, Frisuren und Fantasie. „Haare sind kulturgeschichtlich ein spannendes Thema“, sagt Galling. Und wer sich einmal umsieht, versteht sofort, warum.

Haare zeigen Persönlichkeit – zwischen Anpassung und Aufbegehren. Bei Barbie glänzen sie stets fein frisiert, bei Pippi Langstrumpf stehen die feuerroten Zöpfe störrisch zur Seite ab. Der sommersprossigen Göre sind zum 80. Geburtstag (auch wenn Pippi selbst natürlich für immer neun bleibt) gleich mehrere Exponate aus verschiedenen Ländern gewidmet.

„Haare spielen schon in Märchen eine große Rolle“, erklärt Galling. Man denke an Rapunzels Zopf. Heute präsentiert Disney das Märchen in der „neu verföhnten“ Version (Film von 2010). Aber auch weniger märchenhafte Köpfe erzählen viel: von Herkunft, Identität, Mut oder Wut. „Haare sind politisch“, sagt die Kuratorin. Und meint damit nicht nur Afros und Kopftücher, sondern auch die Frage: Wer darf wie aussehen – und warum?

Dazu passt die Parade haariger Sprichwörter, die die Besucher gleich am Eingang der Ausstellung erwartet: „Das Haar in der Suppe“ trifft hier auf jemanden, der „Haare auf den Zähnen“ hat. Und plötzlich wirken selbst Floskeln wie kleine literarische Kunstwerke.

Galling will, dass die Ausstellung Spaß macht. Und das tut sie – ganz ohne pädagogischen Zeigefinger, dafür mit viel Charme und Augenzwinkern.
JANINA VENTKER

Was ist da los auf dem Kopf?

Internationale Jugendbibliothek, Schloss Blutenburg, zu sehen bis 3. Februar 2026; 3 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei

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