Dua Lipa, Königin des Tanz-Schwarms. © Martin Hangen
Das eindrücklichste Bild an diesem zweiten Konzertabend in der Olympiahalle ist die Himmelfahrt der Dua Lipa. Na ja, ganz in den Himmel geht es nicht für die britische Pop-Diva. Aber in doch gut fünf Metern Höhe schwebt die 29-Jährige, von Stahlseilen getragen. Umhüllt von einem weißen Pelzmantel blickt sie huldvoll herab auf die jubelnde Menge, eine Mischung aus Callas und Christkindl, und reckt das weiß bestrapste Bein hervor. Doch dann erzählt sie leise, wie viel ihr das alles bedeute, und sie bedankt sich bescheiden. „Ich liebe euch!“ Das Erstaunliche: Man glaubt’s ihr.
Dua Lipa schafft es auch bei ihrer zweiten ausverkauften Show am Sonntagabend, zu wirken wie nicht von dieser Welt und gleichzeitig völlig normal. Also, normal im Sinne von: Ich bin ein Mädchen, das einfach tanzen will, bis der Arzt kommt. Sie zwinkert keck über die Schulter, schließt vor Wonne die Augen oder blickt drein, als hätte sie gerade einen schlüpfrigen Witz kapiert. Die Videoleinwand wirkt mitunter so artifiziell wie eine Parfum-Werbung (galoppierende Pferde zu „Falling forever“, rauschende Wellen zu „Training Season“) – doch die Sängerin performt mit ihrem Dutzend Tänzer mitreißende Choreografien. Die Körper bewegen sich wie ein schwitzender Schwarm, sie ist die Königin im waghalsigen Kostüm, aber halt auch nur eine unter Gleichen. Derweil bollern süffig die House-Beats. Und zwischendrin geht’s ausgiebig auf Tuchfühlung mit den Fans: Selfie und kleiner Ratsch inklusive.
Diesmal spielt sie als obligatorischen Cover-Song „Stolen Dance“ von Milky Chance – gelungen! Obwohl der Teil, den sie mit Band auf dem Bühnensteg präsentiert, nicht so funktioniert wie der Disco-Turbo, den sie mit „Physical“, „Levitating“ und dem Rausschmeißer „Houdini“ zündet. Sie ist einfach die Dancing Queen. Die Tour sei für Hallen konzipiert worden, erklärt der Veranstalter auf die Frage, ob Dua Lipa nicht auch das Stadion locker hätte füllen können. Was nicht ist, kann ja noch werden. Das gibt eine Party auf dem Olympiaberg…
JOHANNES LÖHR