Eine große Nachtmusik

von Redaktion

Alan Gilbert und Alisa Weilerstein beim BR-Symphonieorchester

Komponist Thomas Lacher steht in München aktuell hoch im Kurs. Nachdem im Cuvilliéstheater gerade seine Oper „Das Jagdgewehr“ über die Bühne ging, folgte nun nebenan im Herkulessaal quasi noch eine Zugabe. Und zwar in Form seines druckfrischen „returning into darkness“. Wie schon bei der New Yorker Uraufführung im April stand auch jetzt beim Symphonieorchester des BR Alisa Weilerstein als Solistin mit auf dem Podium, um sich dem Werk mit Haut und Haar auszuliefern.

Die Amerikanerin trat erfreulich uneitel auf und ließ schnell begreifen, warum Larcher seine Schöpfung weniger als „Konzert“, sondern als „Komposition für Cello und Orchester“ versteht. Beide Fraktionen sind aufs Engste verwoben. Langsam löst sich das Solocello sonor brummend aus dem nervösen Flirren der übrigen Streicher. Mit aparten Glissando-Effekten, die dem Werk nicht nur eine eigene Identität verleihen, sondern auch der Solistin erlauben, mit viel Fingerspitzengefühl das Klangspektrum ihres Instruments zu erforschen.

Genau wie sie schien Dirigent Alan Gilbert seine Freude vor allem daran zu haben, die spätromantischen Assoziationen auszukosten. Was umso mehr Sinn ergab, da „returning into darkness“ hier durch zwei Kompositionen von Sibelius gerahmt wurden. Beim „Nächtlichen Ritt und Sonnenaufgang“ wollte sich die rechte Balance durch die Hyperpräsenz der Streicher zwar noch nicht einstellen. Doch bei der abschließenden fünften Symphonie erwies sich Gilbert als wahrer Klangmagier, dessen Lesart in den patriotisch-pathetischen Momenten aufs Ganze ging, ohne dabei an Klarheit einzubüßen.TOBIAS HELL

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