Majestätische Disco

von Redaktion

Roland Kaiser bringt die Münchner Olympiahalle zum Beben

Glückliche Fans: Die Besucher in der Olympiahalle haben bei jedem Hit mitgesungen.

Kaiserlicher Auftritt: Im schwarzen Smoking samt Fliege hat der 73-jährige Roland Kaiser auf Bühne der Münchner Olympiahalle einen Hit nach dem anderen abgeliefert. © Martin Hangen (2)

München – Der Adel ist abgeschafft? Ach wo, alles gelogen! Roland Kaiser bewies am Freitagabend in der ausverkauften Münchner Olympiahalle, dass er auch im 51. Jahr seiner Regentschaft übers Schlagerland keinen Gedanken ans Abdanken verschwendet. Keiner hat mehr Hits, keiner ist mehr Kult. Und bei keinem singen die Fans lauter und textfester mit. Wenn es mit Joana schon wieder los geht – dann bleibt Roland Kaiser auch mit 73 der Glücklichmacher aus Berlin, die Majestät des Schwof-Adels. Wer da nicht mitsingt, muss es an den Stimmbändern haben.

„Ich werde da sein“, verspricht er zum Auftakt in einem der neueren Hits, die alle ziemlich ähnlich klingen – was ihm hier aber keiner krumm nimmt. Gewohnt pünktlich um halb acht fällt der Vorhang, und der Kaiser steht im schwarzen Smoking samt Fliege auf der fantastisch illuminierten XXL-Bühne mit ihren schrägen Rampen. Hinter der Opulenz, die nicht nur in Pop-Deutschland ihresgleichen sucht, steckt die Truppe, die auch das Avatar-Spektakel von Abba in London inszeniert hat.

Doch Roland Kaiser ist kein Avatar, er ist echt – auch wenn seine Tage als Dancing King lang vorbei sind. „Achtung und Respekt“ fordert er in „zusehends raueren Zeiten“ sehr zurecht und staatstragend von der Gesellschaft in Deutschland. Doch bevor’s allzu nachdenklich wird, eröffnen seine über ein Dutzend Musikerinnen und Musiker um Gitarrist Jörg Weißelberg und die wunderbare Berliner Cellistin Lee Caspi die Kaiser-Disco.

Das trickreich ausgetüftelte „Dich zu lieben“ von Groß-Komponist Joachim Heider und das 40 Jahre jüngere „Gegen die Liebe kommt man nicht an“ zeigen, dass der deutsche Schlager in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt intelligenter geworden ist. Aber Spaß machen beide – und der Münchner Fan-Chor, quasi Kaisers Laute, nimmt Fahrt auf. Der Star selbst sieht dem Treiben mit nobler Distanz zu, ein Kaiser muss sich nicht ans Volk ranschmeißen.

Hits hätte er für zwei bis drei Konzerte im Repertoire. „Lieb mich ein letztes Mal“, verlangt er von seiner Gespielin, denn manchmal möchte er schon mit Santa Maria. Bohlens schmalzige „Midnight Lady“ ist gewiss kein Höhepunkt des kaiserlichen Schaffens, aber da muss man durch.

Für die zweite Hälfte (nach Redaktionsschluss) sind dann mit dem famosen Italo-Cover „Im 5. Element“, mit der Rosenstolz-Hommage „Liebe ist alles“, mit „Schach matt“ oder der frivolen ménage à trois „Du, Deine Freundin und ich“ jede Menge weiterer Highlights angekündigt. Wer’s verpasst hat, kann sich trösten. Am 21. Oktober kommt der Kaiser-Film „Ein Leben für die Musik“ ins Kino, darunter macht er’s nicht mehr. Roland Kaiser weiß halt, wie es geht, das Game of Thron.JÖRG HEINRICH

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