Mitsummen erlaubt

von Redaktion

Tenor Jonathan Tetelman im Prinzregententheater

Er ist auf den großen Opernbühnen der Welt zu Hause, sang im vergangenen Jahr den Macduff in Verdis „Macbeth“ an der Bayerischen Staatsoper, wo er auch zu den Festspielen als Turiddu die „Cavalleria rusticana“ veredeln soll. Doch jetzt schon beglückte Jonathan Tetelman das Publikum im Prinzregententheater mit einem Arienabend, der Lust auf mehr machte. Mit der Philharmonie Baden-Baden unter Frédéric Chaslin ging es zunächst quer durch Verdi, wobei es der Dirigent in den Ouvertüren ordentlich krachen ließ. Der chilenisch-amerikanische Tenor punktete schon in Jacobos Arie „Qui ti rimani“ aus „I due Foscari” mit einer perfekt sitzenden Stimme, die sich mühelos aufschwang in ein kraftvolles, wohlgerundetes Fortissimo. Geschmeidige Phrasierung und einfühlsame Gestaltung ließ er dem Rodolfo aus „Luisa Miller“ angedeihen und bedachte Don Carlos „Io l’ho perduta“ mit reichen Farben, bevor er als Macduff mit viel Ausdruck und feiner dynamischer Gestaltung das Los seiner Kinder beklagte.

Mit Turiddus „Mamma! Quel vino è generoso“ schien sich die Stimme noch mehr zu öffnen und flog im zweiten Teil von Hit zu Hit. Da durfte auch das Orchester sanftere Töne von Ponchielli und Mascagni beisteuern. Dass man dem attraktiven Sänger jedes Wort (das man auf Italienisch wie Deutsch bestens verstand) glaubte, machte seine Interpretationen noch intensiver. Er erlebte, was er sang – und das Publikum war dabei. Ja, er animierte es sogar bei Kalafs „Nessun dorma“ („Turandot“) zum Mitsummen.

Und wenn Tetelman dann fürs „O sole mio“ die Fliege lockerte, die Damen in der ersten Reihe anschmachtete und sich – mit Blick auf die Uhr – augenzwinkernd auf den höchsten Fermaten „ausruhte“, gab es im Publikum kein Halten mehr. GABRIELE LUSTER

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