Der Mann hat noch gefehlt: Von Klaus Mäkelä, weltweit umtanzter Wundermann der Dirigentenszene, liegt nun auch eine Silberscheibe mit der „Symphonie fantastique“ vor. Seinem Orchestre de Paris ist das Berlioz-Opus längst in Fleisch, Blut und DNA übergegangen. Umso erstaunlicher, wie neu gehört und frisch erfühlt der fünfsätzige Rausch hier klingt. Die Lust an der Entdeckung, Filigranarbeit und Detailfummelei springt einem aus jedem Takt entgegen. Am schönsten, stilistisch überzeugendsten auch in ihrer Kunst des Übergangs glücken ausgerechnet die ruhigeren Passagen, etwa der pastorale Satz oder der Walzer. Wo Berlioz auf dem Richtplatz oder beim Hexensabbat alle Grenzen sprengt, stachelt Mäkelä sein Ensemble gebührend an. Doch es bleibt immer ein Rest Wohlerzogenheit. Eine Drastik mit Kontrolle: Andere Kollegen lassen da entfesselter musizieren. Dafür hat man Ravels „La Valse“ selten so hintergründig gehört.TH
Berlioz:
Symphonie fantastique. Orchestre de Paris, Klaus Mäkelä (Decca).
★★★★☆ Hörenswert