Verbrechen können nicht ungeschehen gemacht werden. Die Täter aber gefasst und verurteilt zu wissen, kann tröstend sein für die Hinterbliebenen der Opfer. „XY gelöst“ heißt der Ableger des ZDF-Klassikers „Aktenzeichen – XY ungelöst“, der sich mit aufgeklärten Verbrechen beschäftigt. Sven Voss präsentiert neue Folgen. Nach dem Start in der Mediathek (wir berichteten) laufen sie heute und am kommenden Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr im linearen Fernsehen.
Voss spricht mit den damaligen Ermittlerinnen und Ermittlern sowie Expertinnen und Experten. „Wie kamen Polizei und Staatsanwaltschaft auf die Spur des Mörders einer 23-jährigen Frau? Welche Wendung nahm einer der spektakulärsten Banküberfälle der deutschen Geschichte? Und wer hat den „Discokönig“ von Berlin ermordet?
„,XY‘ ist die Mutter aller True-Crime-Formate“, sagt Voss. „Die Verbindung zwischen der Redaktion und der Polizei ist über Jahrzehnte gewachsen. Oberstes Gebot sei, die Wirklichkeit abzubilden. Es gebe bestimmt viele, die sich etwas mehr Action wünschten, räumt er ein. „Aber wir halten uns an die Fakten und zeigen Gewalt nicht, um Gewalt zu zeigen. Der Blick durchs Schlüsselloch auf ein Verbrechen hat bei uns einen aufklärerischen Ansatz.“
Die meisten kennen den 48-Jährigen vor allem als Moderator des „Aktuellen Sportstudios“, er hat allerdings auch schon durch viele Dokus geführt. Seine Bindung zu der Fahndungssendung hat durchaus eine Geschichte: „Schon als ich als Kind bei ,Aktenzeichen – XY ungelöst‘ reingeschaut habe, hatte ich ein anderes Gefühl als bei Krimis.“ Oft habe er seine Neugier bereut, vor allem, wenn die Täter besondes brutal waren. „Aber die Gewissheit, dass die Zuschauer helfen können, die Täter zu schnappen, hat mich fasziniert. Damals mit zwölf musste ich es heimlich schauen, jetzt gehöre ich selber zur ,XY‘-Familie und treffe die Ermittler, die mir den Fall ihres Lebens erklären. Die Faszination, echte Verbrechen aufzuklären, ist geblieben.“
Wie denkt er über den Opferschutz? Die Entscheidung, ob wir die Klarnamen verwenden, geschieht in Absprache mit der Staatsanwaltschaft und den Betroffenen“, erläutert Voss: „Ich kann verstehen, wenn Familien nicht noch einmal ihre tragische Geschichte im Fernsehen sehen wollen. Es gibt aber auch diejenigen, die andere vor dem bewahren wollen, was ihnen passiert ist. Die uns sagen: ,Geht bitte genau an den Ort des Geschehens, sprecht mit allen Beteiligten, damit niemand dieses schreckliche Verbrechen vergisst.‘“ CHRISTOF BOCK