MÜNCHEN-PREMIERE

Diese Show schnurrt

von Redaktion

Das Musical „Cats“ macht im Deutschen Theater Station

Geschmeidig: die Tanzszenen in „Cats“. © Xiadong

Selbst 44 Jahre nach der Uraufführung beeindruckt die Ausstattung der pelzigen Revue: „Cats“ ist zurück in München. © Xiadong

„Now and forever“, so lautete der großspurige Spruch, der einst am Theater prangte, als „Cats“ das am längsten gespielte Musical im Londoner West End wurde und seinen Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ bekam. Ein bis dahin beispielloser Erfolg, der sich bei der Übernahme nach Wien oder Hamburg ähnlich wiederholte wie rund um den Globus. Und obwohl die tanzenden Vierbeiner inzwischen von anderen Blockbustern überholt wurden, hat „Cats“ bis heute einen festen Platz in den Herzen des Publikums. Bei den Fans der ersten Stunde genauso wie bei der jungen Generation. Dies zeigt sich nun auch wieder im Deutschen Theater München, wo es für das Gastspiel der englischen TourneeProduktion seit Wochen nur noch Restkarten gibt.

Die Frage nach dem Warum beschäftigt Musical-Verächter und das kritische Feuilleton dabei von Anfang an. Es sind wohl nicht in erster Linie die Songs von Andrew Lloyd Webber, die aus jeder Pore den pastellfarbenen Charme der Achtzigerjahre atmen – und ebenso wenig die zugrunde liegenden Gedichte des Literaturnobelpreisträgers T. S. Eliot (1888-1965). Denn, seien wir ehrlich, die notdürftig übergestülpte Rahmenhandlung ist und bleibt relativ dünn.

Umso genialer präsentiert sich selbst 44 Jahre nach der Uraufführung noch immer die Verpackung der pelzigen Revue: Die detailverliebte Müllhalde, in der Ausstatter John Napier zahlreiche nützliche Requisiten und jede Menge subtile Schleichwerbung versteckt hat. Das berühmte Make-up-Design. Und natürlich vor allem der bunte Stilmix in den Tanznummern von Musical-Legende Dame Gillian Lynne, deren Original-Choreografie von ihrer langjährigen Vertrauten Chrissie Cartwright akribisch aufgefrischt wurde. Hier ist nicht nur synchrone West-End-Präzision vom Feinsten zu erleben. Bis in die kleinsten Rollen hinein haben in der Show alle Katzen ihre individuellen Charakterzüge, die sie im verspielten Miteinander zeigen dürfen.

Der Star ist bei „Cats“ von jeher das Ensemble. Und was das betrifft, gibt es in der aktuellen Reinkarnation zum Glück kaum Schwächen zu vermelden. Für den ersten Showstopper sorgt da gleich Hazel Baldwin, die als verschlafene Gumbie-Katze ein großes Stepptanz-Feuerwerk anführt. Begeisterten Szenenapplaus ernten aber auch Mungojerry und Rumpleteazer alias Marcus May und Lauren Bronwyn Wood, wenn sie sich nicht einmal durch rasantes Radschlagen vom Singen abhalten lassen. Und allerspätestens nach dem großen „Jellicle Ball“ hat einen die Katzenschar mit ihrer gleichermaßen eleganten wie athletischen Darbietung dann ein weiteres Mal um den kleinen Finger beziehungsweise um die Pfote gewickelt.

Trotzdem wartet das Publikum natürlich nicht zuletzt auf den großen Hit des Abends, der vom Komponisten gleich zweimal geschickt angeteasert wird, ehe sich „Memory“ auf der Zielgeraden dann endlich in seiner vollen Wucht entladen darf. Das weiß auch Lucy May Barker, die sich selbstbewusst von ihren berühmten Vorgängerinnen frei macht und ihre eigene Interpretation des ikonischen Ohrwurms findet.

Das täuscht jedoch nicht ganz darüber hinweg, dass die technisch leicht abgespeckte Produktion ausgerechnet im Finale an der falschen Stelle spart. Wenn Grizabella diesmal für ihre Wiedergeburt leider nicht mit viel Theaternebel und Lichteffekten gen Himmel schwebt, sondern stattdessen einfach nach rechts hinten von der Bühne schleicht. Denn wie schon gesagt, das Spektakel ist bei „Cats“ eben mehr als nur die halbe Miete. Aber so enthusiastisch, wie das Münchner Publikum die Show am Premierenabend auch diesmal wieder feiert, dürfte es wohl trotzdem nur eine Frage der Zeit sein, bis die Jellicle Cats der Schwanthalerstraße ihren nächsten Besuch abstatten. Da stecken in der Show definitiv noch mehr als nur die sprichwörtlichen sieben Leben.TOBIAS HELL

Weitere Vorstellungen

bis 22. Juni;
Telefon 089/55 234 444.

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