FILMFEST MÜNCHEN

Die Gier des Menschen

von Redaktion

Der kasachische Regisseur Elzat Eskendir legt mit „Abel” ein eindrucksvolles Langfilm-Debüt vor. Im Mittelpunkt steht der Schäfer Abel, der auf einer kollektiv verwalteten Farm in Kasachstan arbeitet. Mit dem Zerfall der Sowjetunion erwachen bei vielen Hoffnungen auf Wohlstand. Doch statt einer neuen Ära des Aufbruchs erleben die Menschen ein System, das gnadenloser ist als der untergehende Realsozialismus. Es entbrennt ein Konkurrenzkampf: Wer bekommt wie viele Tiere aus der einst gemeinsamen Herde? Eskendir nimmt sich Zeit, manchmal vielleicht zu viel, um diesen Wandel greifbar zu machen. Die Kraft des dialogreichen Films liegt vor allem in den Bildern. Der Regisseur zeigt, statt zu erklären. So erschließt sich die Geschichte auch dann, wenn die Untertitel einmal aus dem Blick geraten. Am Ende bleibt vor allem eines haften: Die Gier des Menschen im Kapitalismus ist so grenzenlos wie die kasachische Steppe, in der sich Abel zurechtfinden muss. (Freitag, 17 Uhr, Theatiner; der Regisseur ist anwesend und steht für Fragen bereit.)MAYLS MAJURANI

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