Gemeinsam in der Galerie Klüser: Andy Warhol und Joseph Beuys 1980. © ullstein bild
Feiert heute 80. Geburtstag: der Münchner Galerist Bernd Klüser. © Yannick Thedens
Ein Mann, der mit Kalibern wie Joseph Beuys und Andy Warhol gearbeitet und sich im internationalen Kunstmarkt behauptet hat, der muss vor nichts mehr Angst haben. So formuliert es Bernd Klüser selbst und lacht sein verschmitztes Lächeln. Heute wird er 80 Jahre alt. Und hat sich entschieden, dass nun Schluss ist mit den regelmäßigen Ausstellungen in seiner Galerie. In drei Jahren feiert sie 50. Jubiläum, bis dahin möchte er die Bestände, die sich im Laufe der Jahrzehnte ansammelten, verkauft haben. „Ordentlich abwickeln“, nennt Bernd Klüser das. Da klingt er durch, der Jurist in ihm. Beide Staatsexamen hat er schließlich einst gemacht, 1974 die Zulassung zum Rechtsanwalt erhalten. Sein Herz aber, das gehörte seit seiner Jugend den Edvard Munchs, Ernst Ludwig Kirchners und Ernst Wilhelm Nays dieser Welt.
„Ich habe sehr früh, mit Anfang 20, geheiratet“, erzählt er. In drei Jahren steht die diamantene Hochzeit an – „im Kunstbereich ist das relativ selten“, wieder sein vielsagendes Lächeln. Damals habe er Jura studiert, „um meine Mutter und meine Schwiegermutter mit einem vernünftigen Brotberuf zufriedenzustellen“. Doch schon während der Studienjahre in München tat er sich mit seinem Kommilitonen Jörg Schellmann zusammen. Gemeinsam gaben sie Multiples von Joseph Beuys heraus.
So heißt es immer, wenn man Geschichten über Klüsers Anfänge liest. Doch man fragt sich: Wie, bitte schön, haben die zwei Mittzwanziger den exzentrischen Düsseldorfer damals für sich gewinnen können? „Beuys kennenzulernen, war wirklich etwas mühsam“, erinnert sich der Galerist mehr als 50 Jahre später schmunzelnd. Ihm kam damals zugute, was sich durch seine gesamte Karriere zieht: Er hatte wie so oft eine gute Idee – und den Mut, damit auch an große Namen ohne Scheu heranzutreten. Sie schlugen Beuys also vor, das erste Werkverzeichnis seiner Editionen herauszugeben. Fand er gut. Die zwei jungen Männer hatten allerdings kaum finanzielle Mittel. Also Fleiß in Heimarbeit: „Schellmann hatte, was er einen Kunstladen nannte. Im Grunde war es eine Baracke in der Barer Straße. Doch da hatten wir viel Platz, haben die Seiten auf einem Tapeziertisch gestapelt – und sind dann stundenlang im Kreis darum herumgelaufen, um sie der Reihe nach abzuheften, bis alle Bücher voll waren.“ 1971 erschien die erste Auflage – mit Erfolg, gleich 1972 folgte die nächste. Inzwischen ist das Werk in der achten Auflage.
Dieses Engagement und die Lust am Ausprobieren, voller Neugierde, das hat sich Klüser in all den Jahren als Galerist bewahrt. „Man muss Dinge einfach durchziehen. Wenn man wirklich von einem Künstler oder einer Künstlerin überzeugt ist, dann macht man auch fünf oder sechs weniger erfolgreiche Ausstellungen, bis sich die Sache durchgesetzt hat“, betont er. Da hört man den Wuppertaler in ihm heraus, das Arbeitsethos des nahe gelegenen Ruhrgebiets. Bernd Klüser sagt: „Man kriegt nichts geschenkt. Ohne eine gewisse Offenheit kommt man nicht weiter. Und man muss strukturieren können, erkennen, was wirklich wesentlich und was nur Show – solche Künstler kann man vergessen.“
Und wie war es nun damals, in der Factory in New York bei Andy Warhol, den er in Deutschland mit groß gemacht hat? „Sehr professionell.“ Wie überhaupt Warhol und Beuys, diese großen Künstlerpersönlichkeiten, eine „enorme Arbeitsdisziplin“ gehabt hätten. „Sie spielten privat nicht die extravaganten Künstler. In der Factory war Warhol der Erste, der morgens kam, und der Letzte, der abends ging.“ Auch ihn überzeugte der junge Bernd Klüser damals mit einer guten Idee: Porträts von Beuys solle er machen. „Warhol wusste nicht so genau um die Bedeutung von Beuys. Er hat sich kundig gemacht – und fand es ganz prima. Zur Eröffnung kam auch Joseph Beuys. Sie haben sich gut verstanden.“ Klüser gab eine Einladung bei sich daheim mit den zwei prominenten Gästen. „Da kamen dann irgendwie all die Leute, die sonst nie gekommen sind.“ Aus dem ganzen Kunstszene-Zirkus hat er sich nie etwas gemacht. „Der Galerist sollte im Hintergrund bleiben – meine Aufgabe ist es, für die Künstlerinnen und Künstler da zu sein.“
Geleitet hat ihn dabei immer die Frage, welche Haltung hinter einem Werk steckt. „Besteht für den Künstler eine innere Notwendigkeit, das zu machen? Oder wiederholt er bloß, was sich gut verkaufen lässt? Kunst muss Haltung zeigen, sonst macht sie sich selber überflüssig.“ Sie könne anregen, Fragen stellen, zeigen, was zentrale Werte sind. Die Welt verändern? Leider nicht. Aber: „Kunst ist das sichtbarste Korrektiv, das wir haben, um unsere Freiheit zu verteidigen.“ Er hat dafür gesorgt, dass sie gesehen wird.KATJA KRAFT