Das Original: Szene aus „Dinner for One“. Millionen Menschen sehen alljährlich zu Silvester den Klassiker aus dem Jahr 1963 an. © Annemarie Aldag/ Amazon Prime Video
Was ist eigentlich aus Ihren Vorsätzen geworden? Das Jahr ist halb herum. Warum nicht noch einmal Silvester feiern – und ganz frisch in die zweite Hälfte starten? Am Sonntagabend taten es die Besucher der Astor Filmlounge im Arri Kino München. Dort feierte im Rahmen des Filmfests „Miss Sophie“ Premiere, eine neue sechsteilige Serie, die die Vorgeschichte des vielgeliebten Silvester-Klassikers „Dinner for One“ erzählt.
Es geht zurück ins Jahr 1911. Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom bekommen gleich zu Beginn ihren großen Auftritt. „Kommen Ihnen diese Namen bekannt vor? Richtig, da war doch dieser Silvestersketch. Das ist die Vorgeschichte dazu“, heißt es aus dem Off. Es ist die Stimme der Zofe Prudence (Lilly-Marie Vogler), die die Geschichte erzählt. Und diese Geschichte beginnt mit einer verbotenen Liebe. Zwischen wem, soll noch nicht verraten werden. Was aber schon erzählt werden darf, ist, was darauf folgt: Miss Sophie, damals noch zarte 28, hat das Schloss ihrer verstorbenen Eltern geerbt, ist völlig pleite – und muss einen standesgemäßen Ehemann finden, damit dieser sie aus der Insolvenz rettet. Sie lässt fünf – sehr reiche – Gentlemen um ihr Herz kämpfen. Alicia von Rittberg bezaubert in der Hauptrolle der kecken Schlossherrin nicht nur die Heiratskandidaten, sondern auch das Publikum.
Genau wie das ganze gut aufgelegte Ensemble. Moritz Bleibtreu gibt mit launigem französischen Akzent den Champagnerhändler Mr. Pommeroy. „Ich wollte mich nicht über Franzosen lustig machen, es sollte eher eine Hommage an alle französischen Vorurteile sein“, sagt Bleibtreu bei der Premiere, der selbst in Frankreich gelebt hat und Französisch fließend spricht. „Der Dreh hat sehr, sehr, sehr viel Spaß gemacht.“ Das überträgt sich. Mr. Pommeroy zeichnet auch verantwortlich für etwas, was bei einer Serie, die sich für die nächste Silvestersause anbieten möchte, unersetzlich ist: lustvolles Champagnerflaschen-Ploppen.
Wann genau die Serie beim Streamingdienst Amazon Prime Video startet, steht noch nicht genau fest. „Um Weihnachten / Silvester herum“, heißt es bei der Premiere von den Verantwortlichen. Mit „Miss Sophie“ ist dem Team um die Regisseure Daniel Rakete Siegel und Markus Sehr geglückt, was Fans von „Dinner for One“ vorab bezweifelt hatten: Die ersten zwei Episoden, die am Sonntagabend gezeigt wurden, zeigen, dass diese „Miss Sophie“ eine neue Silvestertradition werden könnte. Ein Mix aus Liebesgeschichte, Komödie, Klamauk, Drama – und getanzt wird auch. Selbst wer „Dinner for One“ bisher nur als Trinkspiel genutzt hat – nach dem Motto: immer, wenn James stolpert, muss angestoßen werden – kann sich freuen: Auch in „Miss Sophie“ wird der Tigerkopf nicht verschont. Na dann: Prosit – fröhliche zweite Jahreshälfte!KATJA KRAFT