KONZERTKRITIK

von Redaktion

Verzauberte das Publikum: Violinistin Hilary Hahn in der Isarphilharmonie. © Tobias Hase / mphil

Hilary Hahn ist wieder da! Nach monatelanger Absenz – ein doppelt eingeklemmter Nerv hinderte sie am Violinspiel – stand die amerikanische Geigerin am Mittwochabend wieder auf dem Podium in der voll besetzten Isarphilharmonie und eroberte das Publikum mit ihrem wunderbaren Spiel ebenso wie mit ihrem charmanten Lächeln.

Brahms Violinkonzert, das früher als „gegen die Violine komponiert“ eingestuft wurde, bot Hilary Hahn eine glanzvolle Rückkehr. Nicht Zirzensisches ist hier gefragt, gleichwohl hohes spieltechnisches Können, viel Ausdruckskraft und ein auf gegenseitige Belebung zielendes Miteinander mit dem Orchester.

Am Pult der Münchner Philharmoniker agierte Andrés Orozco-Estrada höchst temperamentvoll und so gelang eine packende Interpretation. Dabei genossen Solistin und Dirigent den Kontrastreichtum der Ecksätze, packte Hilary Hahn kraftvoll zu, oder floh in kurzes Träumen, aus dem das Orchester sie schnell wieder zurückholte. Triller, Doppelgriffe, Läufe gelangen vorzüglich wie auch die intensiv gestaltete Kadenz. Auch wenn nicht das Solo-Instrument, sondern die Oboe den langsamen Satz mit ihrem innigen Gesang eröffnet, schloss die Geige bald auf, sang mit ebensolcher Inbrunst, feinem Ton und verlor in der hohen Lage jede Bodenhaftung – Verzauberung pur. Die Zuhörer feierten die Rückkehrerin und sie bedankte sich mit zwei Zugaben.

Dass manches aus der Alten auch in der „Neuen Welt“ von Antonín Dvoráks 9. Symphonie zu hören ist, machten die Philharmoniker und ihr Gastdirigent nach der Pause deutlich. Da steckt viel böhmisches Melos drin und die Holzbläser huldigten ihm mit feinem Gespür. Orozco-Estrada überrumpelte das Publikum nicht nur mit Knalleffekten, energischem Vorwärtsdrängen, fetzigen Rhythmen, sondern ließ es ebenso die gefühlvollen Momente (Englischhorn!) und die atmosphärische Dichte der thematisch eng verzahnten Sätze genießen. Die Begeisterung war groß und kochte nach dem zugegebenen Ungarischen Tanz (Nr. 5) von Brahms schier über.GABRIELE LUSTER

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