UNSERE KURZKRITIKEN

Eine mutige Isländerin

von Redaktion

Wo Ásta Sigurðardóttir auftauchte, machte sie Furore. Als Jugendliche zog die 1930 geborene Isländerin nach Reykjavik, schloss eine – für Frauen damals unübliche – Lehrausbildung ab und wandelte wie eine Diva durch die Stadt. Ihre Kurzgeschichten rüttelten ebenfalls an den Moralvorstellungen der Nachkriegsjahre. Ungeschönt schrieb sie über Familienväter, die ihre Ehefrauen misshandeln, oder Mädchen, die an einer Abtreibung fast verbluten. Ihre Erzählung, in der ein Mann eine junge Frau vergewaltigt, gilt für isländische Feministinnen als erste #MeToo-Geschichte des Inselstaats. Rund 50 Jahre nach dem Tod der Autorin gibt es ihr Werk erstmals auf Deutsch. In „Streichhölzer“ verzweifeln gescheiterte Persönlichkeiten an Islands beinharter Witterung und Gesellschaft. Doch die fesselnde Lektüre hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack, sie erfrischt durch klare Sprache – auch wenn diese manchmal etwas ins Blumige abrutscht.COP

Ásta Sigurðardóttir:

„Streichhölzer“. Guggolz Verlag, 221 Seiten; 24 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

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