Barbara Hannigan singt „Die Frau“. © Monika Ritterhaus
Der historische Vorbild war ein Serienmörder. Baron Gilles de Rais, ein Waffenbruder von Jeanne d‘Arc, soll 140 Kinder gefoltert und getötet haben. Ein Lustmörder – dessen Leben in der literarischen Figur von Herzog Blaubart aufging. Nicht ganz so blutrünstig, aber nicht minder beunruhigend ist seine Charakterisierung in „Herzog Blaubarts Burg“, der Kurzoper von Béla Bartók.
Unter dem Einfluss Sigmund Freuds entstand hier ein rätselhaftes, vielschichtiges, raunendes Stück Musiktheater, in dem der Titelheld eine Frau namens Judith in sein Schloss bittet und nacheinander sieben Türen öffnet. Was dahinter liegt, das provoziert die Regie seit der Uraufführung 1918 zu sehr unterschiedlichen bis schockierenden Lösungen. Gerade wenn man der Lesart glaubt, dass diese Türen zu den geheimen Kammern des männlichen Ichs führen.
Für Claus Guth, als Regisseur seit Langem Experte für abgründige Psychostorys (die er in seinen Szenen gern durch hinzuerfundene Figuren verstärkt), ist dies die ideale Geschichte. Guth (Foto: Monika Rittershaus) inszeniert „Herzog Blaubarts Burg“ für die Tiroler Festspiele in Erl, damit ist er einer der prominentesten Regisseure der Festivalhistorie. Premiere ist an diesem Freitag. Gekoppelt wird das Bartók-Stück mit einer ebenso psychologisch unterfütterten Geschichte, mit „La voix humaine“ von Francis Poulenc. Eine Frau telefoniert hier letztmals mit ihrem Geliebten und klammert sich an seine Stimme. Ursprünglich wollte Poulenc für die Uraufführung 1959 sogar Maria Callas. Diese Handlung, so versprechen die Festspiele, sei „das fehlende Puzzlestück, um Blaubarts Geschichte verstehen zu können“.
Die Frau bei Poulenc wird verkörpert von Barbara Hannigan, für den Blaubart wurde Florian Boesch engagiert, für Judith Christel Loetzsch – eine Promi-Besetzung. Mindestens von der Papierform her bietet Erl also eine weithin ausstrahlende Neuinszenierung, nicht umsonst ist der Maggio Musicale in Florenz Koproduktionspartner. Im Inntal dirigiert Martin Rajna. Drei Aufführungen sind angesetzt, am 11., 13. und 18. Juli.MARKUS THIEL