UNSERE KURZKRITIKEN

Eine wahre Entdeckung

von Redaktion

Rund 400 000 Kinder sollen direkt nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland von alliierten Besatzern gezeugt worden sein. Viele kannten ihre Väter nicht und suchten ein Leben lang nach ihren Wurzeln. Eine solche Geschichte erzählt Sylvain Prudhomme in seinem anrührenden Roman „Der Junge im Taxi“. Der Erzähler Simon erfährt auf der Beerdigung seines Großvaters in Südfrankreich, dass dieser noch einen Sohn in Deutschland hat. Während seiner Besatzungszeit am Bodensee liebte der Großvater eine junge Deutsche, verleugnete sie und das gemeinsame Kind aber später. Simon möchte mehr über das Schicksal dieses Onkels erfahren. Dabei wird die Suche nach dem Unbekannten auch zu einer Suche nach sich selbst. Der französische Autor verdient in Deutschland unbedingt mehr Aufmerksamkeit: Selten wurde mit so viel Feinfühligkeit von Schuld, Wiedergutmachung und dem schmerzlichen Nachwirken der Vergangenheit erzählt. Eine Entdeckung.SP

Sylvain Prudhomme:

„Der Junge im Taxi“. Unionsverlag, 182 Seiten; 22 Euro.


★★★★★ Hervorragend

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