Ein wahres Festspiel

von Redaktion

Jonas Kaufmanns Liederabend im Münchner Nationaltheater

Entfachte Euphorie: Jonas Kaufmann. © Geoffroy Schied

Während auf dem Max-Joseph-Platz in der Abendsonne Aperol geschlürft wird, wird im Nationaltheater Heldenverehrung betrieben. Denn auch die Klassische Musik kennt Fan-Kultur und hat ihre Stars. Ein besonders heller Stern ist Jonas Kaufmann, der an diesem Mittwochabend seinen gefeierten Liederabend im Rahmen der Opernfestspiele gibt.

Etwas unterkühlt wirkt die himmelblau ausgeleuchtete Bühne. Darauf der weit geöffnete schwarze Flügel, an dem der ewige Liedbegleiter Helmut Deutsch sitzt; davor Jonas Kaufmann im Frack und in Heldenpose – so lieben ihn seine Fans. Das Setting passt zum Programm und seiner Darbietung: deutsche Liedkunst aus dem klassischromantischen Kernrepertoire, nah an der Perfektion, aber ohne Überraschungen.

Der erste Konzertteil steht im Zeichen von Franz Schubert, beginnend mit „Die Bürgschaft“ nach Friedrich Schiller. Die ausschweifende Ballade fordert alle Facetten von Kaufmanns Tenor zwischen lyrischem Schmelz und heldischem Pathos. Die folgenden Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine singt Kaufmann mit großer Textverständlichkeit, stimmlicher Wucht und mühelosem Glanz. Die stärksten Momente hat er in den zarten Passagen – denn einen großen Saal im Piano zu füllen, das können nur wenige. Besonders gut gelingt ihm das in den gespenstischen Nummern „Die Stadt“ und „Der Doppelgänger“, deren psychologische Tiefe er, unterstützt vom erfahrenen Helmut Deutsch, eindringlich auslotet.

Nach der Pause folgen Robert Schumanns „Zwölf Gedichte“ op. 35 nach Justinus Kerner – ein Zyklus, der romantische Motive und Empfindungen dekliniert: Wald und Wandern, Heimat und Fernweh, und natürlich die Liebe. Auch hier hat Kaufmann seine besten Momente in den zarten Passagen – ganz besonders im Schlussstück „Alte Laute“, das jedoch noch nicht das Ende des Abends markiert. Der frenetische Applaus holt Kaufmann und Deutsch ein ums andere Mal zurück auf die Bühne; sie lassen sich nicht lange bitten: Zugabe folgt auf Zugabe, jede facht die Euphorie im Publikumsraum noch weiter an. Ein wahres Festspiel, das doch auch deutliche Züge von Starverehrung trägt. ANNA SCHÜRMER

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