Strahlender Held

von Redaktion

„Lohengrin“ bei den Opernfestspielen

Der Regie und den Kostümscheußlichkeiten zum Trotz – Richard Wagners „Lohengrin“ wurde am Sonntag bei den Münchner Opernfestspielen gefeiert, und das nicht zu knapp. Denn musikalisch – Dirigent Sebastian Weigle prunkte mit Staatsorchester und -Chor – versöhnte hier vieles, ja beglückte sogar. Wie der Titelheld selbst! Piotr Beczala kam ganz ohne Schwan mitten aus der Menge und sang sich mit Stil ins helle Licht dieser fulminanten Aufführung. Da saß jeder Ton, glänzte die Höhe, wölbten sich trotz kleiner Zwischenatmungen die Bögen und war jede Silbe verständlich. Bis zur finalen Gralserzählung faszinierte Beczala das Publikum mit feiner Pianokultur wie strahlendem Forte und brach zuletzt unterm Meteoriten, den Elsa wohl mit ihrer Frage „losgetreten“ hatte, zusammen. Dennoch wirkte er beim Schlussapplaus so, als könne er noch einmal von vorne beginnen.

Als sich heftig wehrende, sogar fröhlich kiffende Elsa fühlte sich Rachel Willis-Sørensen in den Unebenheiten der Szenerie sichtlich unwohler als in Wagners gesanglichen Herausforderungen. Aus mädchenhaften Tönen wuchs ihr heller, wohlgerundeter Sopran leicht und höhensicher ins Jugendlich-Dramatische und setzte sich so von Ortruds hochdramatischen Tönen ab.

Anja Kampe schleuderte Letztere in ihrem finalen Ausbruch in den Bühnenhimmel – da nicht mehr wirklich klangschön, aber überwältigend. Heftig gefeiert wurde sie für ihre zuvor genau dosierte, musikalisch-darstellerische Gestaltung der arglistigen, verführerischen Genossin Telramunds. Als dieser punktete Wolfgang Koch mit kraftvoller, baritonaler Verzweiflung.

Über ein Wiederhören mit René Pape als immer noch nobel tönendem König Heinrich freute sich das Publikum mächtig. Als dessen Heerrufer fungierte mit schlankem, kernig-kantigem Bariton Kostas Smoriginas. Bei diesem imposanten Sänger-Aufgebot mussten sich Dirigent Sebastian Weigle und das fulminante Staatsorchester keine Fesseln anlegen: Das Blech strahlte im machtvollen Fortissimo, das Holz sang nicht nur mit Elsa, und die vielfach geteilten Streicher sorgten mit ihrem Sphärenklang für den Zauber des Anfangs.

Da auch der Riesenchor seinen Großeinsatz mit Bravour absolvierte, zollte das Publikum ihm zuletzt lang anhaltenden, begeisterten Applaus.GABRIELE LUSTER

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