Wie im Amerika von heute

von Redaktion

„West Side Story“ beim Musicalsommer auf der Festung Kufstein

Szene aus „West Side Story“ © Thomas Böhm

Ein begeisterndes Ensemble auf der Open-Air-Bühne. © T. Böhm

Seit 68 Jahren ist das Musical „West Side Story“ ein Garant für ausverkaufte Häuser. So auch beim Musicalsommer auf der Open-Air-Bühne der Festung Kufstein. Das Publikum zeigte sich begeistert von der Inszenierung Vanni Viscusis und dem Dirigat von Oswald Sallaberger: Standing Ovations. Eine kraftvolle Mischung aus Leonard Bernsteins Original mit den englischen Songtexten von Stephen Sondheim und aktualisierten Passagen auf Deutsch, die sich auf die US-Migrationspolitik der Gegenwart beziehen.

Kostüme, Bühnenbild – inklusive der an Feuerleitern erinnernden Traversentürme – sowie die energiegeladene Choreografie zitieren das Original. Zugleich positioniert sich die Inszenierung im Heute: migrantenfeindliche Polizisten, abfällige Gesten („dreckiges Einwanderergesocks“), der Verweis auf die Herkunft auch der „Jets“ als weiße Einwanderer – alles lässt ans MAGA-Amerika der Gegenwart denken. Ebenso deutlich wird Gewalt gegen Frauen gezeigt: In einer der intensivsten Szenen wird Anita (Marina Maniglio) nicht nur wie im Original provoziert und begrapscht, sondern vergewaltigt.

Die Modernisierung funktioniert jedoch nicht immer. Das ikonische „America“-Lied bleibt zurückhaltend und hinter den Erwartungen zurück. Bei „Somewhere“ träumen sich alle mit Maria und Tony in eine andere Zeit und an einen anderen Ort, wo ein friedliches Miteinander herrscht. Eine LGBTQ-Fahne schwebt hernieder, man hätte es bei diesem eindrucksvollen Bild belassen sollen, anstatt mit Windmaschine und Technik alles zu dramatisieren. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck stark. Die musikalische Leistung, die Tanzeinlagen und eine frappierend passende Besetzung überzeugen. Nicolas Vinzenz als Tony und Margot Wardlaw Baars als Maria harmonieren nicht nur stimmlich hervorragend. Wenn die Technik es noch schafft, Orchester und Gesang besser auszubalancieren, kommen ihre Stimmen stärker zur Geltung. ALEXANDRA KORIMORTH

Weitere Vorstellungen

am 31. Juli, 1., 2., 3., 7., 8., 9. und 10. August; www.musicalsommer.tirol.

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