Der Lieblingsenkel

von Redaktion

Frido Mann feiert morgen seinen 85. Geburtstag

Zuneigung, dann gestörtes Verhältnis: Thomas Mann ließ in „Doktor Faustus“ die Figur seines Enkels einfließen. © Ullstein

Die Familienhistorie war ihm nie genug: Frido Mann ist Psychologe, Theologe, Musiker, Schriftsteller und setzt sich für demokratische Werte ein. © Peter Kneffel

Frido Mann ist viel unterwegs in diesem Sommer: Rund um den 150. Geburtstag seines Großvaters Thomas Mann gibt es zahlreiche Veranstaltungen, darunter ein Festakt in Lübeck, der Geburtsstadt des Literaturnobelpreisträgers. Kürzlich war Frido Mann auch im Münchner Literaturhaus. Das sei alles anstrengend gewesen, sagt er, aber er freue sich über die Aufmerksamkeit, die sein Großvater erhalte. Seinen eigenen Geburtstag stelle er deswegen etwas zurück. Morgen wird Frido Mann 85 Jahre alt.

Er gilt als der Lieblingsenkel von Thomas Mann. Dieser Stempel war ihm aber nie genug: Als Psychologie-Professor, promovierter Theologe, studierter Musiker, Schriftsteller und Sprecher der Familie ging Frido Mann seinen eigenen Weg. Zuletzt machte er sich vor allem für Demokratiebildung stark. Ein politisches Engagement von der Seitenlinie, das ihm wichtig ist und mit dem er an das Wirken seiner Vorfahren anknüpft. Denn das Werk seines Großvaters und auch das seines Großonkels Heinrich Mann ist politisch.

Mit Sorge betrachtet Frido Mann die extremer werdenden politischen Entwicklungen in den USA, in Europa und darüber hinaus: „Das ist ein globales Problem.“ Die USA sieht er im Niedergang, dieser dürfte auch nicht innerhalb weniger Jahre rückgängig zu machen sein, fürchtet er. „Das geht in Richtung Diktatur.“ Niemals habe er sich vorstellen können, dass sich Amerika so entwickeln würde. Selbst einen Bürgerkrieg in den USA hält er für nicht ausgeschlossen.

1940 wurde er in Kalifornien geboren, wo sich seine Familie im Exil befand. Seine Kindheit verbrachte er weitgehend in der Villa von Katia und Thomas Mann in Pacific Palisades. 2016 kaufte die Bundesregierung das von Abriss bedrohte Haus und eröffnete es 2018 als transatlantische Begegnungsstätte. Nach dem Umzug von Thomas und Katia Mann in die Schweiz verbrachte Frido auch dort viel Zeit. Eine glückliche, wie er in seiner Autobiografie „Achterbahn“ (2008) schildert. Fotografien zeigen ihn als Knirps mit seinem berühmten Opa. Der schreibt in seinen Tagebüchern warmherzig über den Enkel. Dass ihn Thomas Mann in seinem Alterswerk „Doktor Faustus“ (1947) ausgerechnet als Vorbild für die Figur des kleinen Nepomuk nimmt (der einen qualvollen Tod erleidet), trifft den Enkel später umso tiefer. Sein halbes Leben lang habe er sich deswegen geweigert, die Bücher Thomas Manns zu lesen, schreibt er in seiner Autobiografie.

Seine Familiengeschichte verarbeitete er auch literarisch, unter anderem im Roman „Professor Parsifal“ (1985). Etliche weitere Bücher folgten, etwa 2017 das Sachbuch „Es werde Licht“ zur Quantenphysik, verfasst mit seiner Frau Christine. Sie war die Tochter des Physiknobelpreisträgers Werner Heisenberg. Mit ihr lebte er viele Jahre in München. Nach dem Tod seiner Frau zog Frido Mann in die Schweiz und somit näher zu seinem Sohn. Nun spielt er mit dem Gedanken, sich ein Apartment in München als Zweitwohnsitz zu mieten. „Seitdem ich umgezogen bin, merke ich, wie sehr ich doch an München hänge.“

Kürzlich brachte er die Streitschrift „Um der Güte und Liebe willen – Zehn Wege zu einem kämpferischen Humanismus“ heraus. Der Titel ist ein Zitat aus dem Roman „Der Zauberberg“. Seinen Geburtstag will Frido Mann „ohne großes Brimborium“ verbringen, vielleicht sogar bewusst alleine. Je nach Wetterlage kann er sich eine Bodenseeschifffahrt gut vorstellen.UTE WESSELS

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