Krimiheldin mit Kanten

von Redaktion

Doris Gercke schenkte uns die Fernsehkommissarin „Bella Block“ – jetzt ist die Autorin mit 88 verstorben

Autorin Doris Gercke schuf packende Krimis voller Gesellschaftskritik. © Daniel Reinhardt

Dass der Kriminalroman das geeignete literarische Genre ist, um gesellschaftliche Verhältnisse kritisch darzustellen, war ihre tiefste Überzeugung. Und so schuf Bestsellerautorin Doris Gercke nicht nur Szenarien, die als präzise Milieustudien funktionierten, sondern auch eine Krimiheldin, die das Fernsehen im Sturm eroberte: ZDF-Ermittlerin Bella Block. Gercke, die bereits am vergangenen Freitag im Alter von 88 Jahren in Hamburg starb, nahm ihre Karriere über Umwege.

Nach einer Verwaltungslehre und Jahren als Hausfrau und Mutter legte sie mit 40 Jahren ein Begabtenabitur ab und studierte Jura. Gleich ihr erster Roman „Weinschröter, du musst hängen“ wurde 1988 ein Riesenerfolg und mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet. 1993 verfilmte das ZDF den Debüt-Roman mit Hannelore Hoger als Bella Block fürs Fernsehen. Gercke, die 1937 in Greifswald geboren wurde, hatte bei der Besetzung ihrer unkonventionellen, eigensinnigen Kommissarin ein Mitspracherecht, Hoger war ihre Wunschkandidatin. Später verkaufte sie die Rechte an der Ermittlerfigur der Filmreihe, blieb aber mit Hauptdarstellerin Hannelore Hoger bis zu deren Tod im Dezember vergangenen Jahres befreundet.

Inspiriert von Autoren wie Raymond Chandler und dem schwedischen Schriftsteller-Paar Maj Sjöwall und Per Wahlöö schuf Doris Gercke weitere packende „Bella Block“-Fälle, die nicht selten von einer Atmosphäre von Trostlosigkeit, alltäglicher Gewalt und Sexismus geprägt waren. Gercke schrieb außerdem – zunächst unter dem Pseudonym Marie-Jo Morell – Milena-Prohaska-Krimis („Wo es weh tut“, 2016) um eine vorgeblich emanzipierte Antiheldin auf Selbstsuche. Auch Kinder- und Jugendbücher sowie Lyrik gehören zum Werk der streitbaren Schriftstellerin.

Viele Jahre fühlte sich Gercke mit der Frauen- und der Friedensbewegung sowie dem Kampf gegen den Neofaschismus verbunden. Als junge Frau war sie der DKP beigetreten. Regelmäßig nahm sie an Ostermärschen und Demonstrationen teil. „Ich bin bei der unteren Schicht, aus der ich ja komme, und bei den Frauen“, hatte Gercke noch an ihrem 80. Geburtstag erklärt. Ihr Engagement und ihr lebenslanges Streben nach Selbstbestimmung haben ihr literarisches Erbe geprägt. Es ist bis heute aktuell.AKI/DPA

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