UNSERE KURZKRITIKEN

Poetisch und rau

von Redaktion

„Das Geschenk des Meeres“ spielt in Skerry, einem abgelegenen Fischerdorf in Schottland um 1900. Da sind Dorothy, die Lehrerin, die aus Edinburgh freiwillig hierhergezogen ist, Joseph, der Fischer, dessen Liebe zu Dorothy scheinbar unerwidert bleibt, und ein Junge, der scheinbar leblos am Strand gefunden wird und der dem verschwundenen Sohn von Dorothy ähnelt. Beklemmend und düster beschreibt Julia R. Kelly das Leben im Dorf, dessen Bewohner alle Stereotypen vereinen, die man sich in einer solch einsamen und rauen Ödnis am Meer vorstellt. Auch Dorothys Leben, das die Autorin immer wieder in bildhaften Einschüben beleuchtet, kann man nicht gerade als glücklich bezeichnen. Und doch birgt diese berührende Erzählung über Umwege der Liebe, über Verluste und verlorene Zeit viel Poesie. Die es zu entdecken lohnt, wenn draußen die Herbststürme toben und der Regen ans Fenster klatscht.ELK

Julia R. Kelly:

„Das Geschenk des Meeres“. Mare-Verlag, 352 S.; 25 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

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