Man tritt der irischen Autorin Sally Rooney nicht zu nahe, wenn man sie als Gegnerin Israels bezeichnet. Mehrfach hat die 34-Jährige Position gegen den jüdischen Staat bezogen. Im Jahr 2021 untersagte sie zudem die Übersetzung ihres Romans „Schöne Welt, wo bist du“ ins Hebräische.
Nun hat Großbritannien die Aktivistengruppe „Palestine Action“ als Terrororganisation eingestuft und verboten. Die britische Regierung betonte, dass es bei dem Verbot weder um die Palästinenser noch um das Recht zum Protest für deren Rechte gehe, sondern um eine Reihe von teils gewalttätigen Angriffen. Die Aktivisten waren unter anderem für einen Farbanschlag auf britische Militärflugzeuge verantwortlich gewesen.
Am Wochenende hat sich Sally Rooney zu diesem Fall in einem Gastbeitrag für die „Irish Times“ zu Wort gemeldet. Sie werde trotz des Verbots „Palestine Action“ künftig unterstützen, auch finanziell. „Wenn mich das nach britischem Recht zu einer Unterstützerin von Terroristen macht, dann ist es eben so.“ Rooneys deutscher Verlag Ullstein wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern.
Wie berichtet, bewegt der Krieg in Nahost auch die deutsche Kulturszene. Mehrere hundert Künstlerinnen und Künstler haben in einem offenen Brief an Friedrich Merz den Stopp von Waffenlieferungen an Israel gefordert (wir berichteten). Jetzt hat die Initiative „aMensch“ an den Bundeskanzler geschrieben: „Wir bitten Sie mit Nachdruck, sich entschieden für die sofortige Freilassung aller noch in Gaza festgehaltenen 50 Geiseln einzusetzen. Unter ihnen sind auch deutsche Staatsbürger – deren Familien seit Monaten in Angst und Ungewissheit leben“, heißt es in der Petition. Außerdem solle Deutschland den „diplomatischen und politischen Druck auf die Hamas, gemeinsam mit anderen Staaten wie Frankreich und mit arabischen Ländern“ verstärken sowie die „vollständige Entwaffnung und bedingungslose Kapitulation“ der Terroristen fordern, die am 7. Oktober 2023 Israel überfallen haben.
Zu den Unterzeichnern gehören bislang nicht nur Angehörige der deutschen Geiseln der Hamas, sondern mehr als 400 Menschen, auch aus der Kultur- und Medienbranche. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat ebenso unterschrieben wie der Autor und Journalist Hasnain Kazim. Die Schauspielerinnen Andrea Sawatzki und Uschi Glas, die regelmäßig in München für die Freilassung der Entführten demonstriert, gehören zu den Unterstützerinnen sowie der Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt oder auch Ex-HSV-Profi Thomas Doll.MICHAEL SCHLEICHER