Starke Ausstellungen zeigt Werner auch im Museum Werdenfels. © THOMAS SEHR
Aus einem Dornröschenschlaf hat Werner das Oberammergau Museum geweckt. 2003 hat sie die Leitung des Hauses übernommen und in die Zukunft geführt. © Archiv
Blickt zurück auf mehr als 20 Jahre als Leiterin des Oberammergau Museums: Constanze Werner. © Heribert Riesenhuber
Dieser Abschied bedeutet einen echten Verlust: Constanze Werner verlässt das Oberammergau Museum. Mit ihr gehen irres Engagement, enormer Ideenreichtum, vor allem: ganz viel Herz für die Sammlung. Seit 2003 leitete sie das Haus, hat es durch umfassende Neukonzeption in die Zukunft geführt. Mit der Direktion verbunden ist auch der Ausstellungs- und Führungsbereich des Passionstheaters. Das Wortspiel liegt natürlich nahe – doch es stimmt tatsächlich: Ortsgeschichte, Kunsthandwerk, Heimatliebe auf überraschende Weise zu erzählen, das war in diesen mehr als 20 Jahren immer Constanze Werners Passion.
Im Museum Werdenfels wirkt sie weiter
Nun, mit 58, der Abschied. Warum das? Beim Gespräch mit unserer Zeitung macht sie keinen Hehl daraus, dass die Situation im Kulturbereich schwierig ist. Verwaltet wird das Haus durch den Eigenbetrieb Kultur der Gemeinde Oberammergau. Viele Leitungspersonen hat Werner in den vergangenen Jahren kommen und gehen sehen, manchen war das Museum wichtig, anderen weniger. In Zeiten knapper Kassen, insbesondere im Kultursektor, wird es nicht leichter, Geld für Sonderausstellungen lockerzumachen. Selbst für eine umtriebige Person wie Constanze Werner. In ihrer zweiten Wirkungsstätte, dem Museum Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen, hat sie gerade erst wieder Sponsoring für drei weitere Jahre durch Fremdstiftungen organisieren können. Diesem Haus möchte sie künftig ihre volle Energie schenken, erzählt sie.
Sie freut sich, dass ihre letzte große Sonderausstellung in Oberammergau wieder so gut ankommt. Noch bis 9. November kann man „Lisa Kreitmeir. Das Dorfleben malen“ anschauen. Eine große Empfehlung ist auch die Jubiläumsschau „100 Jahre Museum Werdenfels. Tausende Objekte und noch viel mehr Geschichte(n) – Kultur, Kunst und Tradition 5000 v. Chr. bis heute“ in ihrem zweiten Haus in GarmischPartenkirchen (wir berichteten). Weil es die Museumsleiterin einmal mehr geschafft hat, zeitgenössische künstlerische Positionen mit besonderen Stücken der Sammlung zu kombinieren. Beispielsweise die spannenden Kreationen des Berliner Künstlers Stephan Hann, der Kleider aus historischen Stoffen und heutigen Recycling-Materialien schafft. „Es kommen Mode-Studierende extra aus Hamburg angereist, um die Ausstellung zu sehen“, erzählt Werner. Die, das entnimmt man ihren Worten, schon auch Sorge hat, wie es mit dem Oberammergau Museum nach ihrem Abschied weitergeht. Dass es nicht in einen Dornröschenschlaf fallen möge, nach dem Motto: Eine Dauerausstellung reicht doch, warum weitere Gelder und Mühen in zusätzliche investieren?
Sie jedenfalls wird in Oberammergau noch eine letzte Weihnachts-Schau kuratieren. Und dann mit ihrer ganzen Kraft in Garmisch-Partenkirchen wirken.
Als Nächstes will Constanze Werner sich dort vergessenen Malerinnen vergangener Jahrhunderte widmen. „Wie immer möchte ich zwischen den historischen Werken zeitgenössische Perspektiven positionieren.“ Genau so, wie sie es bisher in Oberammergau getan hat – und damit für ganz neue Blicke auf die alten Sammlungsstücke sorgte. Sie wird fehlen.KATJA KRAFT