Hochkaräter am Lido

von Redaktion

Das Filmfestival in Venedig übertrifft sich heuer selbst

Rückkehr nach Venedig: Emma Stone ist in „Bugonia“ zu sehen. © Lewis Joly/dpa

Eröffnet morgen das Festival: Paolo Sorrentino mit seinem Film „La Grazia“. © dpa

Außer Konkurrenz läuft in Venedig „After the Hunt“ mit Julia Roberts. © Le Caer/dpa

Er spielt Putin: Jude Law stellt „The Wizard of the Kremlin“ vor. © Jordan Strauss/dpa

Touristen, Fans und jede Menge Stars: Die internationale Filmfamilie trifft sich von morgen an beim Festival in Venedig. Das Programm verspricht einen starken Jahrgang. © Christoph Sator/dpa

Wie war das eigentlich in den Neunzigerjahren, nach dem Untergang der Sowjetunion und der Entstehung der Russischen Föderation, als Wladimir Putin nach der Macht griff? In dem Roman „Le mage du Kremlin“ von Giuliano da Empoli wird diese Zeit als Bericht einer fiktiven, aber auf einem realen Vorbild beruhenden Figur aufgerollt. Der Autor erzählt von einem (ausgedachten) Treffen mit einem an den russischen Geschäftsmann und PutinBerater Wladislaw Surkow angelehnten Funktionär, der seine Erlebnisse der Wendezeit Revue passieren lässt. Olivier Assayas hat das Buch verfilmt. „The Wizard of the Kremlin“ gehört zu den Werken, die von morgen an um den Goldenen Löwen der 82. Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica konkurrieren. Die Co-Produktion dürfte mit ihrem namhaften Ensemble – unter anderem Jude Law als Putin, Paul Dano, Alicia Vikander und Tom Sturridge – auf dem roten Teppich für Aufsehen sorgen.

„The Wizard of Kremlin“ trifft auf eine enorm starke Konkurrenz, denn Venedig hat es heuer geschafft, sich mit seinem Programm selbst zu übertreffen. Neben Assayas’ Drama läuft beispielsweise der Politthriller „A House of Dynamite“ von Kathryn Bigelow, in dem Mitarbeiter des Weißen Hauses mit einem drohenden Raketenangriff konfrontiert werden. Die Oscar-Preisträgerin zählt Rebecca Ferguson und Idris Elba zu ihrer Besetzung.

Mit „Jay Kelly“ zeigt Noah Baumbach eine Tragikomödie mit George Clooney, Adam Sandler und Laura Dern rund um das Wiedersehen zweier Freunde, die ihre Jugend wieder aufleben lassen und dabei in viele Turbulenzen geraten. Ein Wiedersehen gibt es auch mit einem Klassiker der Literaturgeschichte: Guillermo del Toro kehrt mit „Frankenstein“an den Lido zurück, mit Oscar Isaac in der Rolle von Mary Shelleys Wissenschaftler und Jacob Elordi in der seines Geschöpfes. Fans von Horrorfilmen wäre es vielleicht lieber gewesen, wenn der Regisseur doch seine geplante Lovecraft-Verfilmung „Berge des Wahnsinns“ in Angriff genommen hätte, anstatt die x-te Shelley-Verfilmung zu inszenieren. Doch wenn man es jemandem zutraut, neue Facetten aus der Vorlage herauszuholen, dann del Toro, der zuletzt aus dem ebenfalls häufig verfilmten „Pinocchio“-Stoff ein Meisterwerk gemacht hat.

Yorgos Lanthimos meldet sich mit „Bugonia“ in Venedig zurück, wo er 2023 mit „Poor Things“ den Goldenen Löwen gewann. Sein neuer Film, einmal mehr mit Emma Stone besetzt, erzählt von zwei Männern, die eifrig Verschwörungstheorien inhaliert haben und die Chefin eines Großunternehmens entführen. In ihren Augen ist sie ein Alien mit üblen Absichten. „Bugonia“ ist das Remake einer südkoreanischen Komödie aus dem Jahr 2003. Außerdem hat Jim Jarmusch endlich einen neuen Film am Start: „Father Mother Sister Brother“, prominent besetzt mit Adam Driver, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Charlotte Rampling und Tom Waits. Die Tragikomödie erzählt von einer in alle Winde zerstreuten Familie. Am 6. September wird die internationale Filmfamilie wieder vereint sein: Dann werden in Venedig die Löwen verliehen. FELICITAS KLEINER