Irischer Hüne mit viel Gefühl: Hozier. © Fabian Stoffers
In Konfettiregen tanzen: Glückliche Superbloom-Besucherinnen am Sonntag im Münchner Olympiapark. © Martin Hangen
Mit „Germany“-T-Shirt und ganz viel Charme: Der kanadische Superstar Shawn Mendes löste ordentlich Kreisch-Alarm bei weiblichen und männlichen Fans aus. © FALKE
Irgendwer muss Hozier einen Wink gegeben haben. Oder ist der irische Hüne von allein darauf gekommen, dass das Münchner Olympiastadion noch einmal ordentlich beschallt werden möchte, bevor es in den Dornröschenschlaf geschickt wird (siehe Kasten)? Der Folkrockmusiker legt den Fokus am Sonntagabend eindeutig auf Rock. Vor allem aber legt Hozier alles, was die Kehle hergibt, in seinen Gesang. Die Bühne des ohnehin nicht unpolitischen Superbloom-Festivals nutzt er für einen Appell, die eigene Stimme zu nutzen. „Es kann keinen Frieden im Nahen Osten ohne ein freies und selbstbestimmtes Palästina geben“, sagt er unter Applaus, bevor er seinen letzten Song „Take me to Church“ intoniert.
Hozier hat das letzte gesungene Wort im Stadion. Die letzten Takte beansprucht Tiësto. Die niederländische DJ- und Produzentenlegende zeigt eindrucksvoll, dass das Stadion mehreren Zwecken dient. Und einen spektakulären Tanztempel abgibt, inklusive Lasershow und Feuer-Fontänen. Bis in die hintersten Reihen des Innenraums bewegen sich die Besucher zur Musik. Da ist noch erstaunlich viel Energie nach zwei Tagen Festival. Und Begeisterung auf glitzernd geschminkten Gesichtern.
Die Veranstalter haben auch beim vierten Superbloom dazugelernt. Das Konzept mit der großen Doppelbühne und den drei Front-of-Stage-Bereichen wurde noch einmal verfeinert. Geduldig warten die Fans beim Bühnenwechsel, das Aus- und Einlassen läuft reibungslos. Allein, dass nicht alle Ausgänge aus dem Stadion genutzt werden dürfen, obwohl überall Sicherheitspersonal steht, nervt manchen Besucher. „So ein Schmarrn“, schimpft eine junge Frau, die von der Security-Dame zurück Richtung Olympiahalle geschickt wird. Wie der Veranstalter auf Nachfrage erklärt, blieben einige Ausgänge hinter dem Stadion zu, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten, da schon am Abend abgebaut wurde.
Eine Großveranstaltung ganz ohne Kritikpunkte ist Utopie. Zumal man betonen muss, dass die Macher vor allem bei der Wahl der Künstler sehr viel sehr richtig gemacht haben. Nach den umjubelten Auftritten von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys, Alligatoah, Raye und Post Malone am Samstag legt das Superbloom am Sonntag nach.
Auf Shows von Juli, Suki Waterhouse, 01099, Montez und Conan Gray folgt der einzige Festivalauftritt der Giant Rooks in diesem Jahr. Frisch und frei spielen die fünf Herren aus Hamm drauflos, ihr lässiger Indie-Rock passt perfekt zum herrlichen Spätsommernachmittag. Die gute Laune, die Sänger Frederik Rabe ausstrahlt, springt ohne Umwege aufs Publikum über. Und er direkt mitten hinein: Wie später Hozier – der für „Cherry Wine“ eine winzige Nebenbühne ansteuert – gönnt sich Rabe ein kleines Bad in der Menge.
Dann gehört die Bühne Bebe Rexha, deren Outfit ebenso spektakulär ist wie Stimme und Performance. Sympathisch ist sie obendrein, von den vielen Hits, an denen die Amerikanerin mitgewirkt hat und die sie in München singt, nicht zu schweigen.
Spätestens als Shawn Mendes die Bühne betritt, schaltet das Publikum, männlich wie weiblich, in den Kreisch-Modus. Der Kanadier im Germany-T-Shirt ist ganz weit weg vom Klischee von plastikhafter Popmusik. Er performt mit einer starken Band, aber auch solo an der Gitarre im Stil eines Singer-Songwriters. Und das auf höchstem Niveau. Das Publikum spendet seinem großartigen Auftritt Applaus. Und abschließendes Kreischen.
In diesem Jahr fühlt sich jede Show beim Superbloom wie ein Headliner-Auftritt an. 2026 kommt das Festival zum fünften Mal zurück, wenn auch nicht ins Stadion. Die Veranstalter kündigen ein „besonderes Festival“ an. Wo und wie es stattfinden wird, wollen sie in Kürze verraten.KATHRIN BRACK