Die Männer aus der Anwaltsserie „Suits“ machten schicke Schlipse populär, die Schachsaga „Das Damengambit“ kurbelte die Nachfrage nach Schachbrettern an, und als 2021 in einer Episode des südkoreanischen Netflix-Hits „Squid Game“ die asiatische Süßigkeit Dalgona eine wichtige Rolle spielte, buken Menschen in aller Welt daheim die Karamellkekse nach. Fernsehserien setzen Trends bei Moden, Marotten oder auch Musik. Als etwa 2022 eine junge Heldin aus der Mysterysaga „Stranger Things“ das Lied „Running up that Hill“ zu ihrem Schutzschild gegen das Böse machte, schoss der 37 Jahre alte Song von Kate Bush an die Spitze vieler Charts.
Früher waren es Filmfiguren wie James Bond, heute sind es Fernsehcharaktere, die den Absatz mancher Produkte befeuern. So hielt sich Kevin Spacey in seiner Rolle als mörderischer US-Präsident in der Politsaga „House of Cards“ mit einer Rudermaschine aus Holz fit – die Nachfrage nach dem edlen Sportgerät schwoll prompt an, der Hersteller verdreifachte seine Produktion.
Die Serie „Squid Game“ sorgte dafür, dass weiße Slip-on-Sneakers einer bestimmten Marke plötzlich sehr begehrt waren. Dass in der Geschichte die meisten Träger der praktischen Latschen einen grausamen Tod fanden, störte die Käufer nicht. Und als Protagonistin Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) in der Kultserie „Sex and the City“ die sogenannte Baguette Bag des italienischen Herstellers Fendi trug, wurde die sündhaft teure Tasche weltweit so populär, dass sich Interessentinnen in Wartelisten eintragen mussten. Der Preis spielte für viele Fans offenbar keine Rolle.
Aber nicht jeder Trend muss unbedingt etwas mit Accessoires zu tun haben, die man sich ins Haus holen kann. Wer etwa in den Neunzigerjahren beim Friseur „The Rachel“ bestellte, der bekam den Haarschnitt verpasst, den Jennifer Aniston als Rachel in der Sitcom „Friends“ trug und den Millionen Frauen in aller Welt imitierten. Und obwohl es kein Geschmacksfernsehen gibt, haben Serien auch schon Getränken zu Ruhm verholfen. Wäre etwa der „Cosmopolitan“ je Kult geworden, wenn Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte ihn nicht in „Sex and the City“ so elegant geschlürft hätten?
Ausverkauft wegen Fernsehpräsenz? Dafür gibt es mittlerweile einen eigenen Begriff – den „Emily in Paris“-Effekt. Wenn die Titelheldin der bonbonbunten Romantikserie elegante Strickjacken, Baskenmützen und Schuhe mit Plateausohlen trägt, sind die Regale der Shops schnell leer gekauft.
Serienfans verbringen oft viel Zeit mit den Protagonisten, wollen an deren Kosmos partizipieren. Dass das auch einen Einfluss aufs Reiseverhalten hat, ist nur logisch – man spricht von einem „Set-Jetting“-Trend, bei dem Fans die Drehorte ihrer Lieblingsserien besuchen. In Paris ärgert sich mancher Einheimische längst darüber, dass viele Fans auf den Spuren von Netflix-Heldin Emily (Lily Collins) zu jenen Locations in der französischen Hauptstadt pilgern, die in der Serie so hübsch in Szene gesetzt werden. So kann sich das Bistro „Terra Nera“ in der Nähe des Pantheons kaum vor Selfie-Jägern retten – und angeblich sind viele weibliche Fans enttäuscht, dass Emilys Dauerschwarm, der attraktive Chefkoch Gabriel (Lucas Bravo), nicht wirklich dort arbeitet.CORNELIA WYSTRICHOWSKI