Am Tag der ersten Münchner Programmvorstellung: Bachler und Petrenko im März 2013 vor dem Nationaltheater.
„Es schließen sich sehr viele Kreise für uns beide“: Intendant Nikolaus Bachler (li.) und Dirigent Kirill Petrenko in Salzburg. © Lena Laine, Marcus Schlaf
In zwei Jahren können sie Perlenhochzeit feiern. Seit 30 Jahren sind dann Nikolaus Bachler und Kirill Petrenko zusammen, künstlerisch gesehen natürlich. Es ging los an der Wiener Volksoper, danach folgten zwischen 2013 und 2020 gloriose Jahre an der Bayerischen Staatsoper, und nun sind sie wieder vereint – als Führungsduo der Osterfestspiele Salzburg. Für den dortigen Intendanten Bachler scheint damit die größte Mission erfüllt: „Ich hatte immer die Berliner Philharmoniker im Kopf, das war immer mein Ziel.“
Wagners „Ring“ und Schönbergs „Moses“
Gemeint ist die Rückkehr des Edel-Ensembles nach Salzburg, die Berliner sind bekanntlich Gründungsorchester der Osterfestspiele und waren für einige Jahre ins Exil zu den Baden-Badener Osterfestspielen übersiedelt. Nicht überraschend, dass sich auf der ersten Salzburger Programmvorstellung alles zwischen Schulterklopfen und Warmherzigem bewegte. „Es schließen sich sehr viele Kreise für uns beide“, sagte Petrenko. Für ihn, der seine Karriere in Vorarlberg begann, sei dies „in mehrfacher Hinsicht ein Heimkommen“. Mehr noch: Die Osterfestspiele seien „ein absoluter Solitär in meinem Leben“.
Petrenko und Vertreter der Berliner Philharmoniker schwärmten auf der Programmvorstellung von den vielen Möglichkeiten, die Salzburg biete, zudem vom „Genius loci“ – in Baden-Baden, wo man den Berlinern ab 2013 eine Heimstatt bot, dürfte dies für mehr als gemischte Gefühle sorgen. Zumal Salzburg zwar mit dem Nimbus der einstigen Heimat lockte, sicherlich aber auch mit entsprechenden Gagen.
Herbert von Karajan, der die dortigen Osterfestspiele ab 1967 als Privatangelegenheit gründete und betrieb, startete einst mit Wagners „Ring des Nibelungen“. Petrenko, Bachler und die Berliner Philharmoniker greifen nun auf diese Programmwahl zurück. 2026, beim ersten gemeinsamen Festival, gibt es das „Rheingold“, 2027 folgen „Walküre“, 2029 „Siegfried“ und 2030 „Götterdämmerung“. Und 2028? Da wird der „Ring“ durch Schönbergs „Moses und Aron“ unterbrochen.
Petrenko begründet dies programmatisch. Nur der „Ring“, das sei „nicht ganz ausreichend“. Man müsse auch „etwas Mut zeigen“. Mit der Wagner’schen Tetralogie setzt sich der Dirigent seit seiner Meininger Großtat 2001 auseinander, Schönbergs Bibel-Drama wird er in Salzburg erstmals leiten. Inszenieren wird den „Ring“ Kirill Serebrennikov. Schon die Besetzungsliste fürs „Rheingold“ zeigt: Diese Sängerinnen und Sänger gehören nicht zur klassischen Wagner-Familie, die weltweit „Ringe“ bestreitet. Bis hin zu Christian Gerhaher, der in Salzburg seinen ersten Wotan singen wird, dies aber nur im „Rheingold“. Ab der „Walküre“, so wird erzählt, will er sich den Göttervater nicht mehr zumuten.
Dreimal wird das „Rheingold“ unter Petrenkos Leitung 2026 aufgeführt. Er dirigiert auch Mahlers monumentale achte Symphonie, der Kollege Daniel Harding Haydns „Schöpfung“ und Tugan Sokhiev unter anderem die „Symphonie fantastique“ von Berlioz. Sieben Kammerkonzerte sind geplant und ein „Be Phil-Sonderkonzert“. In diesem Ensemble werden 100 Laien unter Sokhiev ein Programm erarbeiten.
Traditionell erwirtschaften die Osterfestspiele einen Großteil ihres Budgets selbst. Dafür sind Sponsoren notwendig, auf der Liste findet sich auch „Visit Qatar“. Das arabische Emirat ist dafür bekannt, dass es die Meinungsfreiheit einschränkt, Homosexualität bekämpft und fragwürdige Regelungen für Gastarbeiter praktiziert. Intendant Nikolaus Bachler betont dagegen, dass dieses Land „zum wichtigsten Friedensverhandler“ weltweit geworden sei. Auch habe sich seit der Fußball-WM dort „unglaublich viel“ verändert. Wer sich also an den Verhältnissen in Qatar weiterhin stoße, der tue dies aufgrund einer „alten und vergangenen Beschreibung dieses Landes“.MARKUS THIEL
Weitere Informationen
unter www.osterfestspiele.at.