Sportsfreund: Armani mit Basketballer Gianluca Basil. © Imago
München: Armani mit seinen PR-Ladys Alexandra von Rehlingen & Andrea Schoeller.
Botschafter Italiens: Armani mit Filmstar Sophia Loren. © Claudio Peri/dpa / Sigi Jantz
Fiel ins Auge – und bleibt im Gedächtnis: Giorgio Armani (1934-2025). © DANIEL DAL ZENNARO/epa
Ladys in Red: Giorgio Armani mit Models in seinen Kreationen. © ANDREAS SOLARO/afp
Den Adler hatte er sich als Markenlogo ausgewählt. Den König der Lüfte. Sagen wir so: Er war durchaus selbstbewusst, dieser Giorgio Armani. Aber auch das darf man sagen: Er konnte es sich leisten. Giorgio Armani, das ist nicht bloß ein Name, das ist ein Imperium. Nun ist der Mann, dessen 1975 gegründetes internationales Modeunternehmen in 60 Ländern mehr als 2000 Ladengeschäfte betreibt, der ein sagenhaftes Vermögen von rund 13 Milliarden US-Dollar angehäuft hat, der damit einmal den Basketballclub Olimpia Milano einfach so kaufte – dieser Mann ist jetzt im biblischen Alter von 91 Jahren verstorben. Und es ist nicht übertrieben zu betonen: Das, was er geschaffen hat, bleibt.
Armani, das ist nicht bloß eine Marke. Armani, das ist ein Lebensgefühl. Wer den Namen hört und nur ein kleines bisschen an Mode interessiert ist, der hat sofort Italien von seiner schönsten Seite vor Augen. Männer, die einen schwarzen Armani-Anzug tragen, sehen einfach elegant aus. Stichwort Bescheidenheit: Als Leonardo DiCaprio 2016 endlich seinen ersten Oscar gewann, meinte der Modedesigner selbst nur trocken: „Was für ein Glück, dass DiCaprio den Oscar gewonnen hat – und was für ein Glück, dass er dabei in Armani gekleidet war.“
Doch nicht nur die Herren können sich darauf verlassen, bei dieser Marke kleidertechnisch die Nummer sicher zu wählen. Da sind ja auch die ungeheuren Kreationen, die er für die Damen schuf. Ein Blick zurück in die Welt des Films lohnt. Unvergessen etwa Armanis futuristische Garderobe für Jodie Foster in Neill Blomkamps Science-Fiction-Film „Elysium“. Oder Jessica Chastains Kleider im Thriller „A most violent Year“. Wer meint, dieser stilvollen Frau könne man durch Kostüme gar nicht noch mehr Grazie verleihen, der wurde hier eines Besseren belehrt.
Armani konnte es. Und das auch noch in hohem Alter. Bis zu seinen letzten Tagen habe er gearbeitet – und sei nun im Kreise seiner Liebsten gestorben, heißt es von Seiten seines Modehauses.
Bekannt geworden war er durch Herrenmode in minimalistischen Schnitten mit gedeckten Farben. Längst gehört sein Name auch zu den Klassikern der Damenmode. Armani ließ Hollywood-Stars in edlen Einzelkreationen glänzen, verkaufte in seinen Geschäften aber auch Parfüm und Jeans in großen Serien.
Am 11. Juli 1934 war der kleine Giorgio in Piacenza in der Region Emilia-Romagna im Norden Italiens zur Welt gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie nach Mailand, wo sich bis heute die Konzernzentrale befindet. Die ersten Eindrücke in der Modestadt haben unverkennbar Eindruck auf den Buben gemacht. Nach dem Abitur begann er ein Medizinstudium, das er nach zwei Jahren abbrach. Seine Reise sollte woanders hinführen – in die Welt der Mode.
Die ersten Schritte dorthin machte er in den 1960er-Jahren als Schaufensterdekorateur und Einkäufer für die Kaufhauskette La Rinascente. Die ersten eigenen Entwürfe lieferte er im Unternehmen von Italiens Altmeister Nino Cerruti. Einen Hochschulabschluss oder eine andere fertige Ausbildung hatte er in seinem Metier nie. Ein Autodidakt und Naturtalent durch und durch.
In den Achtzigern machte sich Armani einen Namen als der Mann, der das Herrenjackett neu erfand. Er nahm den Anzugstoffen ihre Steifheit, machte alles weicher, fließender, lässiger. Eine zweite Revolution war, dass bei ihm das T-Shirt zum Anzug getragen werden durfte. So sah man auch ihn selbst bis zuletzt am häufigsten: dunkle Hose, schlichtes T-Shirt.
Derart unverkrampft elegant wollten auch die Promis auftreten – etliche Hollywood-Stars ließen sich von Armani einkleiden: Richard Gere in „American Gigolo“ („Ein Mann für gewisse Stunden“), Kevin Costner („Die Unbestechlichen“) und Tom Cruise („Mission Impossible“). Auch Oscar-Auftritte von Nicole Kidman oder Cate Blanchett in Armani sind vielen in Erinnerung.
Ein wichtiger Baustein für den Erfolg lag in der Partnerschaft mit seinem Landsmann Sergio Galeotti. Beide gründeten 1975 zusammen den Konzern Giorgio Armani SpA. Galeotti kümmerte sich bis zu seinem Tod 1985 um die finanziellen Belange. Seitdem hatte Armani die Zügel des Fashion-Imperiums allein in der Hand.
Mit seinem irrsinnigen Vermögen schaffte es Armani auf die „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt. An die Börse ging er mit seinem Konzern nie. Beneidenswerter Grund: Er benötigte das Geld nicht. Und so bleibt er nicht nur als einer der größten Modemacher in Erinnerung, sondern auch als genialer Geschäftsmann. Adler sollen fliegen? Dieser Mann hatte schier unendliche Flügel. Und elegante noch dazu.KATJA KRAFT (mit Material von dpa)