Mit Jane Fonda in „Barfuß im Park” (1967). © akg-images
Legendäre Szene eines Klassikers: In „Jenseits von Afrika“ (1985) verzauberte Redford mit Meryl Streep. © Allstar
Robert Redford liebte das unabhängige Kino mehr als Hollywoods Glamour – er schuf Filme für die Ewigkeit. © FILIPPO MONTEFORTE
Dass Mütter, Väter und Töchter die Vorliebe für denselben Mann teilen, ist selten. Im Fall von Robert Redford war das so. Als Kind liebte ich seine coole Cleverness in „Der Clou“, meine Mutter sein charmantes Leinwandlächeln in „Der Pferdeflüsterer“ und mein Vater den Scharfsinn, mit dem er in „Die Unbestechlichen“ politische Korruption entlarvte. Redford, der erst Milchmann, dann Sex-Symbol, später Oscar-Preisträger und schließlich einer der klügsten Verfechter des unabhängigen Kinos war, hat sein Publikum über Jahrzehnte verzaubert, unterhalten, zu Tränen gerührt. Dass auch sein Leben endlich ist, haben vermutlich viele ausgeblendet. Jetzt ist der Schauspieler im Alter von 89 Jahren im Schlaf gestorben.
Ein schöner Tod. Noch dazu an dem Ort, den er am meisten liebte: In seinem Haus in Sundance in den Bergen von Utah. Ein ehrliches Fleckchen Erde, wie Redford zu sagen pflegte. „Weil es nicht vorgibt etwas zu sein, was es nicht ist.“ Los Angeles, die Hollywoodfabrik, das alles war für den Regisseur und engagierten Umweltaktivisten unecht und oberflächlich. Nach Sundance benannte er auch das Independent-Film-Festival, mit dem er unabhängige Filme und Theaterproduktionen unterstützte.
Sein breites Lächeln, die rotblond-zerzausten Haare, diese unverschämt blauen Augen – schön war Robert Redford schon immer und auch mit über 80 Jahren noch, als sich die privaten Schicksalsschläge, die glücklichen Momente und großen Erfolge schon in zahlreichen Falten verewigt hatten. Doch begnügte er sich nie mit der Rolle des smarten Sonnyboys. Er wollte Filme machen, die Haltung zeigen, die Gefühle wie Trauer und Schmerz zulassen.
Geboren wurde Charles Robert Redford am 18. August 1936 im kalifornischen Santa Monica. Seine Mutter starb, als er noch keine 20 Jahre alt war, an einer Blutkrankheit. Seine Jugend sei ziemlich wild gewesen, sagte der Schauspieler in zahlreichen Interviews und erzählte von Bandenkämpfen, gestohlenen Radkappen und Nächten im Gefängnis. Mit einem Baseball-Stipendium besuchte er nach der Highschool die Universität, brach ab, schrieb sich als Kunststudent ein und landete schließlich 1959 im Broadway-Stück „The Highest Tree“, in dem er eine seiner ersten Rolle hatte.
Im Kino etablierte er sich 1967 mit „Barfuß im Park“ an der Seite von Jane Fonda. Zwei Jahre später wurde mit „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ („Zwei Banditen“) der Western-Star Robert Redford an der Seite von Paul Newman geboren. Er glänzte als Liebhaber, etwa mit Mia Farrow in „Der große Gatsby“ (1974) oder an der Seite von Meryl Streep im Melodram „Jenseits von Afrika“ (1985). Bei „Der Pferdeflüsterer“ übernahm Redford 1998 nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Regie.
Klar positionierte sich Robert Redford gegen US-Präsident Donald Trump. Schon in dessen erster Amtszeit warf er dem Präsidenten einen „Diktator-ähnlichen“ Angriff auf die amerikanischen Werte vor. „Wir befinden uns in einer Krise, die ich zu meinem Lebzeiten nie erwartet hätte“, schrieb er 2019. Da hatte er sich schon aus der Schauspielerei zurückgezogen. Jahrzehntelanges Reiten und Tennisspielen hatten ihren körperlichen Tribut gefordert. Am frühen Dienstagmorgen wachte er nicht mehr an der Seite seiner zweiten Ehefrau, der deutschen Malerin Sibylle Szaggers auf. Redford hinterlässt neben ihr die Töchter Shauna, Amy, sieben Enkelkinder und unzählige Fans, die ihn weiterhin im Herzen tragen werden.ASTRID KISTNER