Ein Fenster-Detail ziert das Cover des Buchs.
Sinnliches Spiel der Farben: Blick ins Entree der Synagoge mit einem kräftigen Rot und schwarzem Marmorsockel. © Klein/epd
Festakt mit Kanzler: Am Montag wurde die Wiederherstellung der Synagoge an der Münchner Reichenbachstraße gefeiert. Das Gotteshaus wurde von Gustav Meyerstein im Stil der Neuen Sachlichkeit 1931 erbaut. © Sven Hoppe/dpa
Es war ein würdevolles, schönes Fest – bis spät in die Nacht hinein wurde am Montag an der Münchner Reichenbachstraße die Wiederherstellung der Bauhaus-Synagoge des Architekten Gustav Meyerstein gefeiert (wir berichteten). Rachel Salamander, die mit ihrem Verein „Synagoge Reichenbachstraße“ die Initiatorin dieser Rettung war, unterstrich in ihrer Rede die emotionale und historische Bedeutung der Reichenbachschul, wie Münchens Juden das 1931 eingeweihte Haus nannten: „Sie ist der einzig erhaltene Vorkriegsbau des Münchner Judentums und das erste im Nachkriegsdeutschland wieder eingeweihte Gotteshaus. Diesen Bau bewahrt zu haben, war für uns alle – Juden wie Nicht-Juden – vornehme, unausweichliche Pflicht.“ Denn, führte die Publizistin und Literaturwissenschaftlerin weiter aus, „wir können nicht über die vom Nationalsozialismus verursachten Verluste klagen und die einzig stehen gebliebene Vorkriegssynagoge in München, die den Furor der Reichspogromnacht und den Bombenkrieg überstanden hatte, nicht zu neuem Leben erwecken“.
Für alle, die sich intensiver mit der Geschichte dieses Sakralbaus beschäftigen möchten, der im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet wurde, dem sei das wunderbar gestaltete Buch „Die Reichenbach“ empfohlen, das jetzt im Münchner Verlag Klinkhardt & Biermann erscheint. Salamander und ihr Herausgeberkollege, der Kunsthistoriker Christoph Wagner, haben darin Beiträge versammelt, die auf mehreren Ebenen von der Historie der Synagoge und ihrer Rettung erzählen: stadtgeschichtlich und kunsthistorisch, soziologisch, emotional und mitunter sehr persönlich, etwa wenn sich Salamander an ihre Kindheit erinnert.
Zahlreiche, klug kombinierte Fotos dokumentieren den Fortgang der Sanierung, die 2011 mit der Gründung des Vereins „Synagoge Reichenbachstraße“ ihren Anfang genommen hat. Außerdem sind Salamander und Wagner tief in die Archive abgetaucht. Gefunden haben sie nicht nur die bekannten historischen Aufnahmen – etwa von der Verwüstung des Gotteshauses am 9. November 1938 oder der Wiedereinweihung am 21. Mai 1947. Der Band beinhaltet zudem die alten Baupläne sowie Überraschendes wie den Anmeldebogen von Gustav Meyerstein an der Technischen Hochschule München, der sich dort am 3. Februar 1919 für sein Architekturstudium eingeschrieben hat. „Die Reichenbach“ ist kurzweilig, informativ und kompakt. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, nannte „die Reichenbach“ beim Festakt einen „wegweisenden Ort“. Dieses Buch gibt Antworten, weshalb die Synagoge das in der Vergangenheit war. Und jetzt wird die Zukunft geschrieben. MICHAEL SCHLEICHER
Rachel Salamander (Hrsg.):
„Die Reichenbach“.
Klinkhardt & Biermann, München, 80 Seiten; 14 Euro.