Eine ungarische Adelsfamilie Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Luxusleben, Krieg und Vertreibung: Vermutlich hätte eine solche Geschichte nicht allzu viel Aufmerksamkeit bekommen, wäre der Autor nicht erst 22 Jahre alt und würde sein Roman „Lázár“ nicht gleich in 20 Ländern erscheinen. Noch dazu erzählt Nelio Biedermann in Teilen die Geschichte seiner eigenen Familie, Barone in der K.-u.-K.-Monarchie, die 1956 vor den Kommunisten aus Budapest in die Schweiz flüchteten. „Lázár“ bietet alle Zutaten für eine große Familien-Saga: Da gibt es das Schloss am Wald, in dem seltsame Dinge geschehen, die Affäre mit dem Knecht, der seinen Sohn nie kennenlernt, oder die unglückliche Liebe zu einem jüdischen Mädchen. Biedermann schreibt knapp und präzise. Die kurzen Kapitel wirken dabei wie schnelle Schnitte in einem Film. SHA
Nelio Biedermann:
„Lázár“. Rowohlt Berlin, 336 Seiten; 24 Euro.
★★★★☆ Lesenswert