Letzter Schliff für den Nachwuchs

von Redaktion

BRSO Akademie feiert 25. Geburtstag mit Gala-Konzert im Herkulessaal

Cellistin Theresa Strasser verabschiedet sich nach Linz.

Große Probe zum Jubiläum: Am Sonntag spielen aktuelle Stipendiaten und ehemalige Mitglieder der BRSO Akademie ein Gala-Konzert im Herkulessaal. © Astrid Ackermann (2)/BR

Wenn man als Orchester oben an der Spitze bleiben möchte, dann braucht es selbstverständlich immer wieder Nachwuchs an den Notenpulten. Das hat man beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO) schon früh verstanden und vor genau 25 Jahren die BRSO Akademie gegründet. Eine hauseigene Kaderschmiede, in der junge Talente sich nach dem Studium den letzten Schliff holen und erste Erfahrungen im Berufsleben sammeln können. Und dieses Jubiläum wird nun mit einem großen Gala-Konzert gefeiert, bei dem die aktuellen Stipendiatinnen und Stipendiaten am Sonntag gemeinsam mit den Ehemaligen im Herkulessaal musizieren.

Die 18 Akademie-Plätze sind heiß umkämpft, wie Co-Geschäftsführerin Bettina Binder zwischen den Proben verrät. „Im Schnitt sind es pro Instrument etwa 30 bis 50 Bewerbungen, die bei uns eingehen. Aber bei den Streichern können das auch mal bis zu 100 werden. Da muss man dann schon vorab eine erste Auswahl treffen, wen man überhaupt einlädt.“

Trotz harter Konkurrenz kommt aber auch das menschliche Element keineswegs zu kurz, wie Christa Jardine von ihrem Probespiel im Jahr 2011 erzählt. „Ich war damals wahnsinnig nervös. Aber das ging der anderen Bratscherin, die mit mir vorgespielt hat, genauso. Da haben sie uns beiden gesagt, reißt euch zusammen und kommt in einem Monat noch mal. Um diese zweite Chance war ich sehr dankbar. Und ja, beim nächsten Anlauf hat es dann tatsächlich geklappt.“

Nach Stellen bei zwei anderen Klangkörpern ist Christa Jardine nun seit 2024 fest im BRSO engagiert und damit quasi wieder nach Hause gekommen. Den besonderen Klang des Orchesters zu beschreiben, fällt der gebürtigen Australierin nicht leicht. Aber eines steht für sie fest. „Obwohl ich ein paar Jahre weg war, bleibt das im Ohr. Wie wenn man in einem Sterne-Restaurant isst. Wenn man diesen Geschmack einmal erlebt hat, möchte man das immer wieder haben.“ Ein Gefühl, das die anderen heimgekehrten Alumni teilen, die auf den Proben sofort wieder ihre gemeinsame Klangsprache fanden.

An der Klarinette sitzt da nun auch wieder Jonathan Groß, der zwischen 2018 und 2020 als Stipendiat in München war und danach zum Landesorchester der Niederbayerischen Philharmonie nach Passau wechselte. „Mein erstes Konzert war damals eine Musica Viva mit Helmut Lachenmann. Gleich in so was hineingeworfen zu werden, war super spannend. Weil ich eben kein Experte für Neue Musik bin und von diesen Noten im ersten Moment total überfordert war. Aber dann habe ich mich mit der KlarinettenKollegin Bettina Faiss unterhalten, die mich beruhigt und mir gute Tipps gegeben hat.“ Wie Christa Jardine betont auch Jonathan Groß immer wieder das kollegiale Miteinander, das er hier erlebte. Bei Coachings und Kammermusik-Projekten mit den Orchestermitgliedern ebenso wie in den gemeinsamen Yoga-Stunden oder beim Pizza-Essen. Und die Freundschaften, die damals entstanden, haben auch über seine Akademie-Zeit hinaus Bestand. „Ich merke schon, dass man sich hier wirklich dafür interessiert, was die Stipendiaten danach machen. Da kommt dann auch mal wer zu Besuch nach Passau und hört sich ein Konzert an, bei dem ich spiele.“ Und wenn für größere Projekte mal Aushilfen gesucht werden, steht seine Handy-Nummer natürlich ebenso auf der Telefonliste wie die vieler anderer Alumni. Als die Anfrage für das Jubiläumskonzert kam, musste keiner lang überlegen.

Für Cellistin Theresa Strasser bedeutet der Abend im Herkulessaal dagegen ein Abschied aus München. Denn Anfang September trat sie nach den zwei Akademie-Jahren bereits offiziell ihre neue Stelle beim Bruckner Orchester in Linz an. „Ich habe mich hier immer gut aufgehoben gefühlt. Und ich glaube, dass auch die Orchestermitglieder Spaß mit uns haben, weil wir Akademisten ein bisschen frischen Wind in die Proben bringen.“ Die junge Österreicherin war bereits während ihrer Studienzeit in München regelmäßig bei Konzerten des BRSO und ein großer Fan. „Dass ich dann selbst zwei Jahre mit ihnen spielen durfte, war da quasi der perfekte Start in den Traumjob als Berufsmusikerin.“TOBIAS HELL

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