Bestsellerautor T. C. Boyle schreibt über die zerstörerische Kraft einer Dreiecksbeziehung. Mit „No Way Home“ macht er im November auch Station in München. © Britta Pedersen
T. C. Boyle ist immer wieder für Überraschungen gut. Der 76-jährige US-Autor hat keine Angst vor großen Stoffen und großen Namen: Über den Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellogg hat er schon geschrieben oder über den Sexualforscher „Dr. Sex“ Alfred Kinsey. Zuletzt widmete er sich in „Blue Skies“ der Klimakatastrophe. In seinem neuen Roman „No Way Home“ hat sich Boyle für ein klassisches Thema entschieden und erzählt packend die Geschichte einer Frau, um die zwei Männer buhlen.
Im Hanser Verlag ist „No Way Home“ bereits jetzt auf Deutsch erschienen. Die amerikanische Ausgabe ist erst für April 2026 angekündigt. Ungewöhnlich, doch in Deutschland hat Tom Coraghessan Boyle seit Jahren eine große und treue Leserschaft. Hier will er das Buch bei einer Lesereise im Herbst in fünf deutschen Städten vorstellen, unter anderem in München (siehe Kasten).
Boyle zählt zu den wichtigsten US-Autoren der Gegenwart und zu denen, die wie in „Blue Skies“ immer auch politische Themen aufgegriffen haben. Wäre da nicht ein Roman zu US-Präsident Donald Trump fällig gewesen vor dem Hintergrund aktueller Krisen? Er habe „No Way Home“ vor der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr geschrieben, sagt Boyle. Deshalb habe er natürlich auch über Politik nachgedacht. „Aber jedes Buch muss seinen eigenen Weg finden.“ Schließlich habe die Geschichte über eine Frau zwischen zwei Männern den Vorrang bekommen.
Der eine, Terrence, ist ein chronisch überarbeiteter Arzt in Los Angeles, der nach dem Tod seiner Mutter klären muss, was mit deren Haus in Boulder City passieren soll. In der Stadt in Nevada lernt er Bethany kennen. Schnell landen die beiden zusammen im Bett. Der andere ist Jesse, Bethanys Ex, der viel Zeit damit verbringt, mit seinem Kumpel Thomas in den Bars von Boulder City abzuhängen und mit dem Motorrad durch die Gegend zu brettern. Jesse hat auch eine andere Seite: Er ist ein verhinderter Künstler, der davon träumt, einen Roman zu schreiben, aber nie sehr weit damit kommt. „Ich sehe Terry und Jesse als natürliche Antagonisten. Das Einzige, was sie gemeinsam haben, ist das Objekt ihrer sexuellen Begierde, Bethany“, sagte Boyle über seine Hauptfiguren. „Ohne sie wären sie beide weiter ihre eigenen Wege gegangen.“
Was Terry und Jesse zumindest gemeinsam haben, sind ihr Egoismus und ihre Rücksichtslosigkeit Bethany gegenüber. Beide erheben Anspruch auf sie, wollen über sie verfügen. Beide haben keine Skrupel, ihre Macht über sie auszunutzen. „No Way Home“ lässt sich auch als Roman über toxische Männlichkeit lesen. Terry und Jesse haben eine dunkle Seite: Ihnen fällt es schwer, ihre Wut zu kontrollieren. Wenn sie aufeinandertreffen, kommt es immer wieder zu bedrohlichen Situationen. Beide Männer sind bereit, weit zu gehen, um dem anderen zu schaden.
Boyle steht nicht im Ruf, in seinen Romanen immer auf ein Happy End zuzusteuern. Das ist auch in „No Way Home“ so. Immerhin: Wie die Dreiecksgeschichte zwischen Bethany, Terry und Jesse ausgeht, bleibt offen – und spannend bleibt es bis zur letzten Seite.ANDREAS HEIMANN
T. C. Boyle:
„No Way Home“.
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Dirk van Gunsteren; Hanser Verlag, München,
382 Seiten; 28 Euro.