So klingt die Zukunft

von Redaktion

Umjubeltes Konzert der Preisträger des 74. ARD-Musikwettbewerbs

Faszinierte: die junge chinesische Pianistin Liya Wang, Gewinnerin des ersten Preises am Klavier. © Daniel Delang

Drei Sieger machen immer neugierig. Aber drei Werke, die niemand kennt? Meret Forster, die künstlerische Leiterin des 74. Internationalen Musikwettbewerbs der ARD, wagte die Kombination – und das letzte Preisträgerkonzert am Freitagabend im voll besetzten Herkulessaal wurde zu einem Ereignis. Dabei sekundierte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Sasha Scolnik-Browers Leitung.

Eröffnen durfte das Konzert die junge chinesische Pianistin Liya Wang, die es beim Wettbewerb 2022 nur bis in die zweite Runde geschafft hatte, sich jetzt aber den ersten Platz sicherte. In Camille Saint-Saëns’ zweitem Klavierkonzert g-Moll faszinierte die zierliche 23-Jährige mit großer Klarheit und farbiger Differenzierung. Sie ließ die virtuosen Läufe im Diskant glitzern und kontrastierte kraftvolle Akkordpassagen mit poetischen, introvertierten Momenten. Mit dem Orchester lieferte sie sich ein heiteres Miteinander im Allegro, vor einem wilden Presto.

Als Franzose fühlte sich Robin Paillet geradezu verpflichtet, einen ersten Preis zu gewinnen, hatten doch seine Landsleute Maurice André (1963) und David Guerrier (2003) ihm das vorgemacht. Der 23-Jährige schaffte es und bestätigte die Wahl mit Alois Zimmermanns „Nobody knows the trouble I see“. Mit Gespür für den Jazz, dem Zimmermann in diesem Werk huldigt, mit einer unglaublichen Farbvielfalt, mit vorzüglicher Atemtechnik, virtuosen Trillern und Sprüngen fesselte er seine Zuhörer. Dirigent und BR-Musiker, die dem jungen Trompeter ihren Preis zugesprochen hatten, agierten mit Verve und doch transparent.

Als Dritter im Bunde der Sieger betörte der 25-jährige, aus Israel stammende Klarinettist Elad Navon seine Zuhörer. Im ruhigen ersten Satz von Aaron Coplands Konzert gefielen seine weiche, auf ruhigem Atem aufgebaute Tongebung, seine weiten Phrasen. Reaktionsschnelles Miteinander von Solist, Orchester und Dirigent sorgten im schnellen Satz für ebenso witzige wie verführerische Momente.

Lang anhaltender Applaus für die drei Preisträger, die man gerne wieder hören möchte.GABRIELE LUSTER

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