Die Idee ist großartig und wichtig, der Umsetzung jedoch fehlt es an Tiefe. Auch, weil Autorin Petra Pellini lieber krampfhaft versucht, einem aktuellen Trend hinterherzurennen. Linda betreut nach der Schule regelmäßig einen demenzkranken Bademeister in Rente. Sie spielt und schneidet Gemüse mit ihm, schwelgt mit ihm in Erinnerungen. All das erzählt das junge Mädchen mal traurig, mal heiter, mal ironisch, mal bitter in der Ich-Form. Gut und angenehm zu lesen ist diese Anekdoten-Reihung, auf Dauer trägt sie jedoch nicht. Anstatt hier mehr zu investieren, lehnt Pellini Linda immer stärker an die Protagonistin „Wednesday“ aus der gleichnamigen Netflix-Serie an: allwissend, alleskönnend und über wirklich jeden erhaben. Und müssen denn Heranwachsende heutzutage immer gedanklich mit dem eigenen Tod spielen? Bei solch einer tollen optimistisch-geselligen jungen Frau ist das völlig überflüssig.AMA
Petra Pellini:
„Der Bademeister ohne Himmel“. Kindler-Verlag, 320 Seiten; 23 Euro.
★★★☆☆ Annehmbar