Vielfalt und Abwechslung wird beim Münchner Orgelherbst von jeher großgeschrieben. Daran lässt der künstlerische Leiter Peter Kofler keinen Zweifel (Foto: Marcus Schlaf). Bereits zum 17. Mal organisiert der gebürtige Südtiroler das Festival, dass auch in diesem Jahr wieder mit spannenden neuen Ideen aufwartet.
An diesem Sonntag eröffnet man den Reigen zwar noch ganz klassisch mit Musik von Meistern wie Bach, Messiaen und Bruckner. Aber schon beim zweiten Konzert am kommenden Mittwoch lässt eine Ankündigung von „Bairischen Madrigalen“ aufhorchen. Ein musikalischer Streifzug vom 14. Jahrhundert bis hin zur Moderne, durchmischt mit traditioneller Volksmusik. Zusammengestellt von Sopranistin Katja Stuber und Countertenor Franz Vitzthum, die von Gertrud Wittkowsky an der Zither begleitet werden. Ein Trio, das Kofler bereits länger im Auge hatte. „Ich bin im Internet über ihren Video-Trailer gestolpert und hab‘ mir sofort gedacht: Das passt perfekt zu uns. Weil wir eben nicht nur Orgel und geistliche Musik bieten wollen. Was die drei mit dieser wilden Mischung machen, taugt mir total, und ich empfinde es als absolute Bereicherung für unser Festival.“
Denn das begehrte „neue Publikum“ erreicht man eben nur dann, wenn man sich hin und wieder auch mal aus seiner Komfortzone wagt. So wie es Kofler selbst neben dem traditionellen Kinderkonzert im vergangenen Jahr unter anderem auch mit der Filmmusik zu „Star Wars“ getan hat. „Die Leute mögen so etwas, gerade weil es aus dem klassischen Rahmen herausfällt. Da müssen auch wir offenbleiben.“
Und keine Angst, auch die Traditionsbewussten kommen nicht zu kurz. So gilt es etwa Christine Schornsheim mit den „Goldberg-Variationen“ zu erleben. Und abgesehen von Kofler selbst noch einige prominente Gäste an der Orgel. Beispielsweise Ondřej Valenta aus Prag, der neben Bach und Händel eine Bearbeitung von Smetanas „Moldau“ vorstellt. „Es ist immer schön, wenn Organisten etwas aus ihrer Heimat mitbringen. Wenn ich auswärts spiele, baue ich selber gerne Südtiroler Komponisten ein. Das gibt dem Ganzen eine persönliche Farbe.“ Und das weiß auch das Publikum zu schätzen (Infos: st-michael-muenchen.de/muenchner-orgelherbst).TOBIAS HELL