John Taylor war einer der großen Lyriker des Jazzpianos, ein besonnener Klanggestalter, der seiner Virtuosität nur dann freien Lauf ließ, wenn es wirklich der Musik diente. Selten hat man den 2015 verstorbenen Engländer so animiert gehört wie auf dieser Live-Aufnahme aus dem Jahr 2002. Mit seinen ihrerseits vor Spiellaune sprühenden Trio-Kollegen Marc Johnson (Bass) und Joey Baron (Schlagzeug) entfaltet er eine große dynamische Bandbreite, in der zwar auch immer wieder seine hohe Sensibilität durchscheint, die aber ebenso quirligen Drive entwickelt bis hin zu beinahe freien Passagen. John Taylors Hang zur romantischen Melodik steht sein Sinn für ambivalente, offene Harmonik gegenüber und der Wille zu einem expliziten rhythmischen Momentum. So konnte bei diesem Konzert vor 23 Jahren in Birmingham ein Dokument der zeitlosen Jazz-Moderne entstehen – ein arg spät, aber wenigstens überhaupt gehobener Schatz. RUN
John Taylor:
„Tramonto” (ECM).
★★★★★ Hervorragend