Das Merkwürdige: Diese Schumann-Lieder wurden bereits 2020 aufgenommen. Der Vorteil: Im Lockdown der Pandemie, ohne Terminstress, war Jonas Kaufmann offenbar ausgeruht, all seine vokalen Macken (verpresste Töne, verfärbte Vokale, Schluchzer) sind in dieser „Dichterliebe“ nicht zu hören. Dafür eine wunderbare, wie entspannte Klarheit und eine intelligente, völlig natürliche Textbehandlung. Mehr noch: Es ist eine der besten Kaufmann-Einspielungen überhaupt. Die anderen Schumann-Lieder des Albums fallen etwas dahinter zurück und wirken wie (zu) schnell produziert. Mehr als ein Kuriosum sind aber sieben Nummern der „Dichterliebe“ von 1994 (!), die sich im privaten Hör-Archiv des Stars fanden. Kaufmann, damals noch hell timbriert, klingt, als sei er ein völlig anderer Sänger – kein schlechterer, ganz im Gegenteil. Damals saß Jan Philip Schulze am Klavier, und der spielt mindestens so gut wie der aktuelle Sängerbegleiter Helmut Deutsch.TH
Jonas Kaufmann:
„Doppelgänger“. Helmut Deutsch, Klavier (Sony).
★★★★☆ Hörenswert