PREMIERE

Plötzlich Multimillionärin

von Redaktion

„Die Asche meines Vaters“ an der Münchner Schauburg

Unterhaltsames mit (v.li.) Sibel Polat, Annelie Straub und Simone Oswald. © Judith Buss

Nein, da liegt kein Schreibfehler vor – die erste Spielzeitpremiere der Schauburg heißt tatsächlich „Die Asche meines Vaters“ (nicht „Mutter“ wie im Roman von Frank McCourt) und brachte die 2023 in Hamburg uraufgeführte Komödie des Autorenkollektivs Soeren Voima erstmals nach München. „Asche“ steht sowohl für die Spuren des Verstorbenen (das, was von ihm bleibt) als auch, darum geht es im Kern, für sein Geld. Und davon hinterließ Fred Diedenhofer aus Blankenese reichlich – nämlich exakt 48 590 560 Euro.

Als Alleinerbin dieses horrenden Betrags entpuppt sich das Münchner Kindl Sascha (Annelie Straub). Als Tochter ihrer beiden lesbischen Mütter (Simone Oswald, Sibel Polat) erfährt sie erst nach dem Tod ihres Erzeugers von dessen Existenz. Gemeinsam mit ihrem schillernden Best Buddy Franz (Janosch Fries) reist sie nach Sylt zur bislang unbekannten Verwandtschaft, um – wie Mama Inga rät – den Vater zumindest „postum kennenzulernen“. Der nördliche Teil der Familie erweist sich dann als gar nicht so versnobt und unsympathisch wie befürchtet. Doch als klar wird, dass Sascha das Geld nicht teilen, sondern zunächst für sich behalten will, kippt die Stimmung – und auch die Erbin selbst entdeckt neue Seiten an sich.

Daniel Pfluger, an der Schauburg mit Arbeiten wie „Erik*a“ oder „Get Lost“ längst kein Unbekannter, inszeniert die Komödie leichtfüßig und mit sicherem Gespür für Tempo. Er holt sein junges Publikum ab und bezieht es auf Augenhöhe in die zu zentralen Themen ein: Gerechtigkeit, soziale Spaltung und ökologische Verantwortung. Identifikationsfiguren sind das zauberhafte Zweigespann Straub und Fries, die mit Elan und Frische überzeugen. Doch auch die übrigen Rollen sind stark besetzt – allen voran Hardy Punzel, der als herrlich verschrobener Onkel Pitt einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit beweist.

Trotz des kurzweiligen, pointierten Spiels hat das 90-minütige, pausenlose Stück Längen. Zudem hätte man sich angesichts der gesellschaftlichen Brisanz des Themas eine noch größere Dringlichkeit gewünscht. „To have or not to have“ – die Verantwortung, die hier mitschwingt, ist schließlich keine kleine. Am Ende aber gelingt ein unterhaltsamer, politisch aufgeladener Abend, der mit leichter Hand ein komplexes Thema aufmischt. ANNA BEKE

Weitere Vorstellungen

heute sowie am 14., 16., 20. Oktober; Tel.: 089/ 233 73 71 55.

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