ALBUM

Stilsicher zum Suizid

von Redaktion

Es gab eine Zeit, in der waren Soundtracks eine Kunstform für sich. Nichts gegen die kuratierten Gemischtwarenläden, die durch „Pulp Fiction“ populär wurden, auch gut ausgewählte Popsongs können das Leinwand-Erlebnis bereichern. Aber ein eigens für einen bestimmten Film komponiertes Werk, wie es die Großmeister Ennio Morricone, Lalo Schifrin undHenry Mancini reihenweise ablieferten, ist selten geworden. Den letzten großen Score dieser Sorte haben die Franzosen Air im Jahr 2000 zu Sofia Coppolas Regiedebüt „The Virgin Suicides“ eingespielt. Zum 25. Jubiläum ist er nun in einem analogen Mix neu aufgelegt worden. So wie Coppola mit der Weichzeichner-Ästhetik der Siebziger spielte, so tauchen Air in die Synthesizer- und Saxofon-Seligkeit des Softsex-Sounds jener Zeit ein. „Playground Love“ erinnert auch an die mittleren Pink Floyd, alles schwebt mysteriös, traumwandlerisch, stilsicher. Genauso wie die vier Schwestern, die dem trauten Kleinbürgermilieu, sich selbst entleibend, Adieu zuhauchen.

Air:

„The Virgin Suicides – Redux“ (Warner).


★★★★★ Hervorragend