Tanja Graf © yt
Eine Ausstellung der Superlative: Wäre sie in New York, London oder Paris zu sehen, würde sie alle Rekorde brechen. Was für ein Glück, dass wir sie ganz entspannt direkt vor den Toren Münchens besuchen können. „Göttlich!“, so heißt die Renaissance-Schau im Diözesanmuseum Freising, und Direktor Christoph Kürzeder hat wieder wahre Wunder vollbracht: Superstars wie Botticelli, Pontormo, Mantegna aus Florenz, Mailand und Venedig sind hier ebenso vertreten wie Meister aus Regionalmuseen, die man selten zu sehen bekommt. Mein Lieblingsbild heißt „Die Madonna mit dem Milchbrei“, stammt aus dem Palazzo Bianco in Genua und ist für mich die Quintessenz der Schau. Es ist ein Bild von tiefster Innigkeit, wie sie nur zwischen Mutter und Kind herrscht. Die Mutter, fürsorglich, selbst noch blutjung und voller Ehrfurcht vor der Aufgabe, die ihr zugefallen ist: Ihr Kind ist göttlich, aber ist das nicht jedes Kind in den Augen seiner Mutter? Das Kind voller Entdeckerlust und Selbstbewusstsein darf schon den Löffel halten: „Will selber!“ Eindeutig, dass der flämische Meister Gerard David aus eigener Anschauung kannte, was er malte: Denn das zutiefst Menschliche, die feine Psychologie zeugen davon, dass er auch ein liebender Vater war. TANJA GRAF, LEITERIN LITERATURHAUS MÜNCHEN