Ausverkauftes Münchner Nationaltheater und Orkan-Jubel für John Neumeiers „Der Nussknacker“ (1971). Vom Bayerischen Staatsballett 1973 übernommen, hat diese ungeheuer tanzdichte Weihnachtsgeschichte nach sechs Jahren (!) Repertoire-Schlaf das Ensemble zu technisch-tänzerischer Höchstleistung angespornt. Und genau die fordert Neumeiers modernere Sicht auf die 1892-Fassung von Petipa/Iwanow zu Tschaikowsky (am Pult Azim Karimov). Zu Beginn weihnachtet es noch bei den Stahlbaums, auch mit Fuß-flinken Gästen wie den Leutnants und Kadetten. Nach dem Fest fällt die zwölfjährige Tochter Marie – kindhaft anmutig von der neuen Demi-Solistin Lizi Avsajanishvili – das Nussknacker-Geschenk dicht bei sich, in einen traumdichten Schlaf. Traum-Begleiter ist Ballettmeister Drosselmeier – ein schönes, modern gefühltes Debüt von Demi-Solist Severin Brunhuber. Und natürlich führt dieser Fachmann Marie durch die Welt des Tanzes: vom Exercise an der Stange und Gruppentänzen bis zu exotischen Pas de deux und Pas de quatres. Maries ältere Schwester Louise – ein Debüt von Ksenia Shevtsova – schwirrt mit extra Solo-Brillanz durch die Handlung. Insgesamt sind es zweieinhalb ultra tanzdichte Stunden. Verständlich, dass da mal eine Pirouette danebengeht. Debüt auch für den Ersten Solisten Jakob Feyferlik als Kadetten-Anführer Günther, der im dritten Akt technisch brillant aufdreht. (Nochmals zu sehen heute, morgen und am 11. November sowie am 28. und 30. Dezember und sechsmal im Januar 2026. Karten gibt es telefonisch unter 089/21 85 19 20.)MALVE GRADINGER