Wenn die richtigen Bücher unterm Christbaum liegen, ist das Lächeln der Beschenkten garantiert. Mit unseren Tipps wird‘s hoffentlich ein Fest! © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Ein Buch wie ein gut gemachter Fernsehkrimi – und das in mehrfacher Hinsicht. Stefanie Thyssen blickt in „Nemec & Wachtveitl“ auf das Münchner „Tatort“-Duo und hinter die Kulissen der so beliebten TV-Reihe. Dabei ist der Anlass für das Erscheinen dieses Buchs eigentlich ein trauriger: Wie berichtet, werden die Kommissare Batic und Leitmayr nach 35 Jahren den Dienst quittieren: Zum Finale, das im Frühjahr 2026 ausgestrahlt wird, ermitteln sie in einer Doppelfolge; 100 Filme sind dann entstanden. Tatsächlich endet damit eine Ära.
Die Autorin fächert diese nicht nur sehr lesenswert und kurzweilig auf. Thyssen gelingt es darüber hinaus, das Besondere dieses „Tatort“-Duos herauszuarbeiten. Dafür ist sie tief ins Archiv gestiegen, hat natürlich mit den beiden Hauptdarstellern mehrfach gesprochen, aber auch mit Weggefährten und der „Tatort“-Redaktion. Dominik Graf, der etwa bei der legendären Folge „Frau Bu lacht“ auf dem Regiestuhl saß, würdigt Wachtveitl und Nemec mit einem „Langen Brief zum langen Abschied“.
Zugleich beleuchtet Thyssen die Filmografie des Münchner „Tatort“ in einem kritischen Wiedersehen – Höhepunkte werden ebenso analysiert wie Flops nicht verschwiegen werden. Diese kritische Distanz ist wohltuend und macht dieses Buch – übrigens ebenso wie die zahlreichen, treffend ausgewählten Szenenfotos – zu einer Schatztruhe für alle, die den „Tatort“ lieben (und manchmal mit einer Folge hadern). Wer dem ARD-Krimi indes nur en passant folgt, erfährt hier, was dessen Faszination im Kern ausmacht. Dass die Fälle dieses Duos stets eng verbunden sind mit der Stadt, in der sie spielen, macht den Band zudem zu einem herrlichen und ungewöhnlichen München-Buch.
Aufgebaut ist „Nemec & Wachtveitl“ wie eine Ermittlung im Krimi – etwa mit einer „Spurensuche“ (das Casting mit veritabler Überraschung), mit „Täterprofilen“ (also herrlichen biografischen Notizen), einer eindrucksvollen „Kriminalstatistik“ und vielem mehr. Eine vielschichtige Hommage also. Wie wunderbar, dass ihre Autorin zudem meine hochgeschätzte Kollegin ist.
Stefanie Thyssen:
„Nemec & Wachtveitl.
Das Münchner Kult-Duo“.
Gmeiner–Verlag, Meßkirch,
192 Seiten; 28 Euro.