Krasse Beats mit Kokonelle

von Redaktion

Die Münchner Künstlerin hat ihre erste EP veröffentlicht – und lädt zum Konzert im HP8

Jenseits aller Schubladen: Kokonelles Debüt-EP „Release“ beinhaltet sechs Songs und ist auf allen Streaming-Plattformen zu hören. © Oliver Bodmer

Sie ist Sängerin, Künstlerin, Aktivistin, Bildungsreferentin, Performerin. Um ihren Musikstil zu beschreiben, braucht es mindestens genauso viele Worte. Kharis Petronelle Ikoko, bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Kokonelle, lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Die Münchnerin mit kongolesischen Wurzeln singt und rappt auf Englisch, Lingala, Deutsch und Französisch. Sie bewegt sich zwischen Afro, Soul, Hip-Hop und R’n’B. Am Freitag hat sie ihre Debüt-EP „Release“ veröffentlicht – und lädt am Samstagabend zum Konzert ins HP8. Wir haben mit Kokonelle über ihren Weg zur Musik und ihre Vision für die Zukunft gesprochen.

Wenn Kokonelle auftritt, singt sie nicht einfach nur. Sie performt – mit allem, was sie hat. Musik begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Als Kind sang und tanzte sie mit ihren Geschwistern, ihrer Mutter, Cousins und Tanten zu Musikvideos der Gruppe Makoma, kongolesischer Gospelmusik und Rumba. „So hat es eigentlich angefangen. Musik war für mich immer verbunden mit Bewegung, mit Familie, mit Community aber auch mit Tanz und Glaube“, erzählt Kokonelle.

In ihren Liedern nimmt die 30-Jährige vor allem Bezug auf Politisches und Persönliches. Kokonelle setzt sich etwa für Schwarze Frauen, ihre Community und gegen Rassismus ein. Sie macht auf Missstände, Leid und Ausbeutung im Kongo aufmerksam – nicht nur in ihren Songs. Als Bildungsreferentin gibt sie Workshops für Frauen und Jugendliche, oft in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek und dem Kreisjugendring.

Dass sie Musik machen will, war ihr früh klar. „Das hat immer zu mir gehört.“ Als die junge Kharis ihrer Mutter sagt, dass sie Musikerin werden will, ist die erst mal nicht begeistert. Heute ist sie wahnsinnig stolz auf ihre Tochter, unterstützt sie bei Konzerten und Drehs. Ein Schlüsselmoment war Ikokos erster Auftritt als Kokonelle, 2022 in Passau. Dort präsentierte sie zum ersten Mal ihre eigenen Stücke vor Publikum, ihre Mutter war an ihrer Seite. Sie sei wahnsinnig nervös gewesen, sagt Kokonelle. „Es ist ein innerer Prozess, wenn du deine eigenen Songs schreibst. Es sind deine Wörter, deine Gedanken, deine Geschichte und deine Verletzlichkeit. Das ist super persönlich“. Der Auftritt gelang. „Mir ist klargeworden: Das muss ich machen“, sagt Kokonelle. Ihre Mutter habe Tränen in den Augen gehabt.

Bis sie ihre Songs veröffentlicht hat, hat es lange gedauert. Doch das Warten hat sich gelohnt: Die sechs Lieder von Kokonelles „Release“-EP sind unglaublich vielseitig, berührend und mitreißend. In „Unapproachable“ rappt sie über das Ende einer ungesunden Beziehung. Es ist ein „Bad-Bitch-Song“, in dem es um Selbstermächtigung geht. In „Hold Me“, das eher an eine Ballade erinnert, legt sie Selbstzweifel offen und das Bedürfnis, geliebt zu werden. Die Veröffentlichung ihrer Lieder fühle sich wie eine Geburt an, wie ein Loslassen, beschreibt Kokonelle. Deshalb auch der EP-Titel „Release“ (Loslassen).

Es sind nicht nur Songs, sondern komplette Pakete – die auch visuell mit viel Liebe gestaltet wurden. Fotos und Videos zum Mini-Album sind auf Kokonelles gleichnamigem Instagram- und Youtube-Kanal zu sehen und zeigen die Künstlerin in ihren vielen Facetten. Das alles wäre ohne ihr Team, das aus rund elf Leuten besteht, nie möglich gewesen, betont Kokonelle. Auch wenn sie alleine auf der Bühne steht, ist sie alles andere als eine Einzelkämpferin. Wer das Video zu „Unapproachable“ ansieht, versteht, wie wichtig ihr Gemeinschaft und Zusammenhalt sind.

2026 möchte Kokonelle auf vielen Bühnen spielen – am liebsten nicht alleine, sondern mit ihrer Band. Wer die Möglichkeit hat, die Künstlerin live zu erleben – wie am Samstag im HP8 – sollte sie sich nicht entgehen lassen. LEA SCHÜTZ

Konzert

Kokonelle spielt diesen Samstag im HP8. Einlass ist um 19 Uhr;
der Eintritt ist frei.

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