Es ist an der Zeit, die guten Gläser aus der Vitrine zu holen. Die geerbten, die meist vergeblich auf den besonderen Anlass warten. Wann, wenn nicht jetzt, wollen wir Feste feiern, uns annähern und austauschen? „Wie wir überwintern“ heißt das kleine, feine Büchlein der Münchner Autorin Mirjam Zadoff, die überaus klug, warmherzig und inspirierend erklärt, wie wir den Lebensmut durch harte Zeiten retten. Ihren Ideenreichtum schöpft sie aus Geschichte und Gegenwart, sie zitiert Hannah Arendt, Ernst Bloch und Patti Smith. Und siehe da: Es gibt so viele Möglichkeiten, die eigene Menschlichkeit zu bewahren, sich solidarisch mit Schwächeren zu zeigen und vor allem in politisch schwierigen Zeiten wach und neugierig zu bleiben. „Wie wir überwintern“ ist nicht der x-te Alltagsratgeber gespickt mit Kalenderweisheiten, sondern ein feinsinniges Buch, das uns auch dann noch das Herz wärmt, wenn der Winter längst vorüber ist.
Mirjam Zadoff:
„Wie wir überwintern“.
Hanser-Verlag, München,
136 Seiten; 16 Euro.