Ausflug ins Wunderland

von Redaktion

Das Münchener Kammerorchester im Prinzregententheater

Jung war vieles in diesem „Wunderwelt“-Konzert des Münchener Kammerorchesters (MKO) am Donnerstag im gut besuchten Prinzregententheater. Schubert war 19 Jahre alt, als er seine fünfte Symphonie schrieb; ein Jahr jünger war Benjamin Britten, als er sein Doppelkonzert für Violine und Viola konzipierte. Jung, nur elf Jahre alt, ist Dobrinka Tabakovas „Fantasy Hommage to Schubert“ und sehr jung, nämlich ein Kind, war Zoltán Kodály, als er die Musik der Sinti und Roma hörte, die ihn später zu seinen „Tänzen aus Galánta“ inspirierten. Jung war auch der eingesprungene Gastdirigent: Kristian Sallinen. Der 23-jährige Finne agierte völlig uneitel und stellte sich souverän der stilistischen Bandbreite des Programms. Ebenso feinfühlend wie temperamentvoll zupackend ließ er die rasch wechselnden Abschnitte der Verbunkos, mit denen Soldaten angeworben wurden, aufeinander folgen. Kodálys punktierte Rhythmen und die Farbigkeit der Bläser verfehlten ihre Wirkung nicht.

Erst nach Brittens Tod hat Collin Matthews dessen Particell zum Doppelkonzert ausgearbeitet. Ihm widmeten sich Ilya Gringolts (Geige) und Lawrence Power (Viola), die einander imitierend oder gemeinsam singend bewiesen, dass die Bratsche keineswegs im Schatten der Geige rangiert. Unter Sallinens umsichtiger Leitung steigerte sich auch das Orchester – mit Horn (!), Trompete, Schlagwerk – angestachelt von den Solisten ins Allegro scherzando, das dann leise verklang.

Nach der Pause ging es um Schubert. In der Hommage der Komponistin Dobrinka Tabakova sind nur die Streicher gefragt. Mit ruhiger Gestik formte der Dirigent die sich zunächst kaum bewegenden, extrem zarten, flächigen Streicherklänge. Sie dehnten sich langsam aus und aus dem feinfädigen, engmaschigen Gewebe löste sich hin und wieder ein Motiv. Die Spannung hielt bis zuletzt und umschloss auch den Zaubermoment der Solo-Violine. Luftig und schwerelos begann hernach Schuberts Fünfte. Sallinen hielt sie mit der kleinen Besetzung in feiner Balance, akzentuierte stilvoll, und so blieb auch das Finale leichtfüßig.GABRIELE LUSTER

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