Was geht ab im Naschi-Schrank

von Redaktion

Die Hip-Hopper Deine Freunde begeistern Kinder wie Eltern und füllen zweimal das Zenith

Volles Haus: Das Bild unten zeigt das Zenith aus Sicht von DJ Pauli. Oben: Deine Freunde auf der Bühne. © Instagram

Deine Freunde: Lukas Nimscheck (li.), Florian Sump und Markus Pauli (vorne). © Universal

Lukas Nimscheck erzählt die Geschichte nicht zum ersten Mal, aber erstaunlich ist sie doch. „Vor gut zehn Jahren sind wir im Muffathalle-Biergarten vor 20 Leuten aufgetreten“, erinnert sich der Sänger von Deine Freunde am Samstag beim zweiten Konzert der Band. „Und jetzt spielen wir zweimal im Zenith.“ Wirklich eine Wahnsinnskarriere für drei Hamburger, die mehr oder weniger Kindermusik machen und damit zwei Tage hintereinander eine 5000er-Halle füllen.

Aber natürlich stimmt genau das ja nicht. Die Eltern – brav außerhalb des abgegrenzten VIP-Bereichs für den Nachwuchs platziert – fühlen sich mindestens genauso angesprochen. Denn die zu Hip-Hop-Beats verhandelten Themen erzählen ganz häufig von Überforderung – der Kinder genauso wie der Erwachsenen. Es dauert auch diesmal nicht lange, bis die Alten lachen und nicken, so entlarvend ist „Schiebt es auf die Kinder“ über all die Anlässe, bei denen man gern mal den Nachwuchs als Entschuldigung vorschiebt. Und „Dumme Witze“, der Song für die Väter, lässt mit seinem „Feiervater“-Segment (zur Musik von „Firestarter“ von The Prodigy) die älteren Semester in Nostalgie schwelgen.

Aber natürlich ist klar, auf welcher Seite die Band steht – der der Kinder. „Hausaufgaben“, „Raus ins Bett“ und „Du bist aber groß geworden“ thematisieren all die Situationen, die das junge Publikum nerven. Das hüpft und springt und lässt sich von Florian Sump mit lässigem Rap erzählen, was so abgeht zwischen Kinderzimmer und Omas Naschi-Schrank. „Respekt, ihr habt den Kampf gewonnen“, ruft er grinsend, als einige bei der Ballade „Schiss“ ihr Handy zücken, um es leuchten zu lassen. Das Bühnenbild erleuchten derweil LED-Leinwände in Hochhaus-Optik, auf einem vorgelagerten Haus bastelt DJ Markus Pauli seine Beats – die munter die Kollegenschaft zitieren: „Grüße aus der Küche an Deichkind“ schickt das Trio am Ende des Songs „Aua“ raus. Zu „Unmöglich“ sowie „Tanz auf dem Vulkan“ lodern sogar Feuer-Fontänen am Bühnenrand auf. „Gut seht ihr aus ohne Augenbrauen“, witzelt Sump. Und beim Gesangswettbewerb dürfen sich Eltern und Kinder wundern, wie textsicher die jeweils andere Partei „Er gehört zu mir“ beziehungsweise „Burgerpommes auf die Eins“ schmettert.

Aber bei aller Blödelei wird doch klar, dass alle im selben Boot sitzen, gerade im Vorweihnachtsstress. „Erlaubt es euch, auch mal nicht zu funktionieren“, sagt Nimscheck, und es ist nicht ganz sicher, ober er die Kinder oder die Erwachsenen meint. Beiden spricht die Band noch ein zuckersüßes Lob aus: „Danke, dass wir schon so lange Musik für euch spielen dürfen! Und danke, dass ihr immer wieder neue Fans für uns macht!“JOHANNES LÖHR

Artikel 1 von 11